Ein Winter in Nadeschda

Mitte Januar fand wieder unser jährliches Winterlager mit BewohnerInnen aus dem Heim „Novinki“ statt. Auch in diesem Jahr war das Winterlager ein voller Erfolg. Die Winterlager werden gemeinsam von deutschen und belarussischen Freiwilligen organisiert und durchgeführt, Kanikuli e.V. finanziert die Winterlager und unterstützt bei organisatorischen Fragen.
Im Folgenden der Bericht der aktuellen Minsk-Freiwilligen Marie-France Eisner.

Endlich ist es soweit! Der 12. Januar ist da und es soll auf das diesjährige Winterlager gehen. Bei einer Eiseskälte stehen wir draußen auf dem Gelände des Novinki Heims für Erwachsene mit Behinderungen und warten auf den Bus, der uns nach Nadeshda bringen soll.
Als der Bus (ein einfacher Lieferwagen mit zwei langen Sitzbänken) kommt, wird das Hab und Gut eines Jeden gewissenhaft verstaut und man besteigt, so gut es geht, die Maschine.
Drinnen ist es ziemlich eng, da diverse Taschen und ein Rollstuhl zwischen uns gequetscht auch noch Platz finden müssen. Als die Türen auf eine fast wundersame Art und Weise doch noch zugehen, beginnen sich die meisten der TeilnehmerInnen langsam zu entspannen und ein freudiges Strahlen tritt auf ihre Gesichter. Es geht wirklich los! Eine ganze Woche Urlaub im Erholungszentrum Nadeshda liegt vor uns.
Etwas über eine Stunde dauert die Fahrt…es läuft ordentlich laut Gutelaunemusik im Radio und kalt wird uns zum Glück auf Grund der Enge auch nicht.
Insgesamt nahmen neun BewohnerInnen aus Novinki an dem Lager teil. Betreut wurden sie von zwei belarussischen sowie von drei deutschen Freiwilligen.
Nadeshda ist wirklich ein sehr schöner Ort, an dem sich schnell alle wohlfühlen konnten und es jeden Tag Neues zu erkunden und zu entdecken gab.
Wir bewohnten insgesamt vier kleine nebeneinander gelegene Häuschen, die sehr gemütlich und vor allem warm waren!
Das Programm bestand hauptsächlich aus diversen Teerunden, zu denen sich alle TeilnehmerInnen stets in einer Küche oder einem Wohnzimmer trafen und gemütlich Kekse aßen, während es draußen bitterkalt war. Hier wurde viel gesungen, geredet und auch Gitarre gespielt.
Des Weiteren machten wir jeden Tag mindestens einen Spaziergang alle zusammen. Dann ging es raus aus Nadeshda, auf die Feldwege und in den Wald. Alle konnten die Stille und die Weite spüren und natürlich gab es auch die eine oder andere Schneeballschlacht.
Schnell wurden Freundschaften geschlossen und so wartete jeder/jede geduldig auf die/den Letzte/n und man passte sich an das Tempo der Langsamsten an.
Eigentlich gab es jeden Tag ganze drei Mal ein Highlight, nämlich dann, wenn wir uns im Speiseraum versammelten um zu essen. Das Essen wurde stets kommentiert und gebührend gewürdigt „ Oh, wie lecker ist es diesmal!“ und auch die Küchenfrauen merkten sich geduldig, wer den Rotebeetesalat nicht mochte, und nahmen diverses zu Bruch gegangenes Geschirr ohne mit der Wimper zu zucken freundlich hin.
Es fällt schwer zu sagen, was dass Beste gewesen ist. Fest steht, dass wir alle bei der Disco eine Menge Spaß hatten, ausgelassen und lange tanzten, jeder und jede ganz auf seine bzw. ihre Weise, wobei sich Andrej besonders beim Paar- und Brakedance (!!!) als der Könner hervortat. Bei Massage und Aromatherapie entspannte man sich und das Theaterstück, welches das „dramatische Theater Minsk“ aufführte, wurde zum Schluss mit Standingovations gewürdigt. Dies alles und das gemeinschaftliche Herstellen und Bemalen einer überlebensgroßen Papierschönheit, die jetzt ihren Platz neben ihrem Papiermann in Dschas Werkstatt in Novinki hat und immer an das Winterlager 2010 erinnern wird, waren wunderbare Momente.
In Nadeshda gibt es auch eine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen, die natürlich auch genutzt werden wollte. Diejenigen, die auf Schlittschuhen laufen konnten, taten dies und die anderen wagten einen vorsichtigen, gestützten Gang bzw. eine Fahrt über das Eis.
Valja, die mit ihren 55 Jahren sicherlich noch nicht sehr oft zum Eislaufen gekommen ist, war anfangs etwas vorsichtig, aber schon nach ein paar Minuten machte sie die Figur einer Eisprinzessin. Während Sergej (der übrigens zum ersten Mal in seinem Leben in Nadeshda Schlittschuh lief) seine Pirouetten drehte und das Rückwärtsfahren perfektionierte, konnte man Valja dabei beobachten, wie sie stets darum bemüht „akkurat“ zu sein ihre Schlittschuhe vom Schnee befreite oder sich, wenn sie hingefallen war, genüsslich im Schnee kullerte. Zwei ganze Stunden drehten wir unsere Runden, bis es schließlich zu dunkel und zu kalt war um weiter zu fahren. Anschließend stand natürlich die obligatorische Teerunde in der warmen Küche, bei Musik und Keksen an.
Als die Woche nun doch nach einem Selbstgebackenetorteabschiedsessen vorbei war und wir wieder auf den Bus aus Novinki warteten, sah man allen an, dass sie nicht wirklich glücklich über das Ende dieser Ferien waren.
So wollte auch die Stimmung auf der Rückfahrt trotz erheiternder russischer Popmusik nicht fröhlich werden und je näher wir Minsk mit seiner Hochhausburgenvorstadt kamen, desto stiller wurde es, da halfen auch die Pakete mit Obst und Süßigkeiten etc. nicht mehr, die jeder und jede mit auf seine/ihre Station nehmen durfte.

Im Namen aller TeilnehmerInnen,

Marie-France Eisner

BENEFIZKONZERTE FÜR KANIKULI E.V.

Auch im Jahr 2010 wird es wieder eine ganze Reihe von Benefizkonzerten für Kanikuli e.V. geben. Bei den von Bettina Brümann organisierten und durchgeführten Konzerten werden anstatt Eintrittsgelder Spenden gesammelt. Im Folgenden die nächsten Konzerte zu denen wir alle ganz herzlich einladen:

6. Februar um 16.00 Uhr
in der Laurentiuskirche Berlin- Spandau, Heerstr. 367

Konzert für Dudelsack, Orgel und andere Instrumente
mit Maria Scharwieß, Heidi, Frielinghaus und Bettina Brümann
Kaffee und Kuchen in der Pause

13.März um 16.00 Uhr
in der Gnadenkirche Jaczostr. 52, Berlin-Spandau

„Englisches Konzert“ bei Tee und Gebäck
Musik aus englischen Kathedralen
Es musizieren Mitglieder der Chöre und des Blockflötenquartetts der Weinbergkirchengemeinde. Bettina Brümann: Orgel
Werke von Purcell, Stanley, Wesley, Smart, Williams u.a.
Eintritt frei.

17.April um 16.00 Uhr
in der Laurentiuskirche Berlin-Spandau, Heerstr. 367

BENEFIZKONZERT ORGEL PLUS KLAVIER
Bettina Brümann und Juri Stremjakow musizieren zu Gunsten von Kanikuli e.V.

Werke von Rinck, Debussy, Tschaikowsky, Glinka, Rachmaninow , Rimsky-Korsakow u.a..
Kaffee und Kuchen in der Pause.
Eintritt frei!

29.Mai um 16.00 Uhr
in der Gnadenkirche Jaczostr. 52, Berlin Spandau

Musik für Streicher und Orgel von Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und anderen
Eugen Schmidt und Natalie Kroo, Violine
Sergej Mattern, Viola
Evgeni Kopilov, Violoncello
Bettina Brümann, Orgel
Eintritt frei. Kleiner Imbiss in der Arche im Anschluss.

Ankündigung: Mitgliederversammlung am 21. November in Halle

Nachdem die letzte Mitgliederversammlung nun schon ein halbes Jahr zurückliegt, möchten wir alle Mitglieder und Freunde von Kanikuli e.V. am 21. November nach Halle einladen!

Wie immer werden wir zunächst über den aktuellen Vereinsstatus berichten (finanzielle Situation, Mitgliederzahlen etc) und dann die Projekte besprechen, die seit der letzten MV durchgeführt worden sind. Außerdem möchten wir überlegen, welche Projekte als nächstes anstehen (z.B. das Winterlager 2010) und was wir dafür noch alles organisieren müssen.

zur Tagesordnung der MV (pdf)

Anreisen können alle TeilnehmerInnen bereits am Freitag, abends werden wir gemeinsam das legendäre Halle (mit Loch im Marktplatz) kennenlernen.

Für weitere Informationen wendet euch an Evelyn (evelyn.funk(at)kanikuli-ev.de). Wir hoffen auf zahlreiches Erscheinen!

„Hier ist es wirklich in Ordnung. Nach Hause will ich nicht.“ – Ferienlager für Kinder mit Behinderungen 2009

Auch in diesem Jahr fand eine Ferienfreizeit für Kinder mit Behinderung aus dem Heim Novinki in Minsk statt. Eine ganze Woche vom 29. Juli – 6. August verbrachten die kleinen Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den deutschen und belarussischen Freiwilligen im Sommerlager im Erholungszentrum Nadeshda.

Lesen Sie den Bericht von Hans-Ulrich Probst, der 2008/2009 Freiwilliger in Minsk war.

Sommerlager „Runder See“ mit 35 Teilnehmern ein voller Erfolg

Drei Wochen im Wald zelten, ohne sanitäre Anlagen, ohne fließend Wasser, ohne ein festes Dach überm Kopf – ein Erfolgsrezept für eine integrative Ferienfreizeit? Was erst mal unbequem klingt, kann die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommerlagers „Runder See“ in Minsk nicht abschrecken. Im Gegenteil – seit vielen Jahren ist dieses Ferienlager, an dem behinderte und nicht-behinderte junge Leute aus Belarus, Deutschland und anderen Ländern teilnehmen, ein voller Erfolg.
Kanikuli e.V. hat sich auch in diesem Jahr finanziell am Sommerlager „Runder See“ beteiligt, das von unserer Partnerorganisation „Verschiedene-Gleiche“ veranstaltet wird.

Lesen Sie den Bericht von Hans-Ulrich Probst (Minsk-Freiwilliger 2008/2009) über ganz besondere drei Wochen im Wald.

Der Austausch „Andere Arbeitsweisen“ und seine Folgen

Am Ende des letzten Jahres fand der Austausch „Andere Arbeitsweisen“ mit 9 TeilnehmerInnen aus Belarus in Bremen und Umgebung statt. Neben den vielen Eindrücken, neuen Ideen und neuen Kontakten durch diesen Austausch, hat es sich als eine weitere Folge auch ergeben, dass die Arbeit der deutschen Freiwilligen in Minsk und die Arbeit von Kanikuli e.V. in der Jahresarbeit von Janna Widmaier, Schülerin der 12. Klasse an der Waldorfschule Bremen Osterholz, thematisiert wurde.
Die Jahresarbeit lesen Sie hier:
Blickwechsel – Begegnung mit geistig behinderten Menschen

09. Mai 2009 – Tag des Sieges – Tag der Mitgliederversammlung

Am 09. Mai fand in Northeim bei Göttingen die sechste Mitgliederversammlung von Kanikuli e.V. statt. An der Versammlung nahmen acht Mitglieder teil. Neben der [bild1]Vorstellung des Jahresabschlussberichts 2008 wurde auch über zukünftige Projekte und Aktionen gesprochen. Im Vordergrund standen die Ferienfreizeiten im August mit Kindern und Erwachsenen mit Behinderungen, die in staatlichen Heimen in Novinki und Draschnja leben; das Projekt „Runder See“ mit unserer Partnerorganisation Raznye-Ravnye und eine Fortsetzung des im letzten Jahr begonnenen Austauschprogramms „Andere Arbeitsweisen“. Auf der Mitgliederversammlung wurde wieder klar, wie viel es noch zu tun gibt, aber auch, was wir schon alles getan haben. Seit der Gründung von Kanikuli e.V. im Mai 2006 hat sich nicht nur die Mitgliederanzahl vervielfacht, sondern auch die Anzahl der durchgeführten Projekte.

Für die erfolgreiche Mitgliederversammlung, die Unterkunft, die Verpflegung und die sehr nette Aufnahme bedankt sich der Vorstand ganz herzlich bei Marie Hecke und ihrer Familie.

PS: Am 09. Mai wird in den Ländern der ehemailgen Sowjetunion der Sieg über Deutschland im Jahr 1945 gefeiert. Durch Zufall fiel der Termin unserer Mitgliederversammlung auf diesen Tag.

Bericht vom ersten Winterlager online

Winter in Minsk können sehr lang und hart sein. Die Temperaturen fallen weit unter Null und wochenlang liegt mitunter der Schnee.
Die Bewohner der „psycho-neurologischen Internate“ in Minsk sind in dieser Zeit einer besonderen Belastung ausgesetzt. Denn weil es an warmer Kleidung fehlt und ihre Abwehrkräfte aufgrund von Mangelernährung sehr schwach sind, dürfen sie die Wohngebäude die meiste Zeit nicht verlassen – mitunter wochenlang. Einmal Luft schnappen, ein paar Sonnenstrahlen fangen, ein Spaziergang durch den Schnee – das ist nur in Ausnahmen möglich.

Vor diesem Hintergrund sind wir sehr glücklich, dass wir 2009 zum ersten Mal eine Ferienfreizeit im Winter veranstalten konnten. Wir hoffen, in Zukunft jedes Jahr ein solches Winterlager anbieten zu können.

Zum Bericht von Marei Adam