Frühlingshafte Mitgliederversammlung in Halle an der Saale

Halle/28.05.2022

Wir haben uns wieder zur halbjährlichen Kanikuli-Mitgliederversammlung getroffen. Dieses Mal im schönen Halle an der Saale in der Hochschullernwerkstatt der Uni Halle. Fünf Teilnehmende aus Berlin, Trier und Halle waren vor Ort dabei und fünf weitere Personen haben online an der Vereinssitzung teilgenommen.

Diese Mitgliederversammlung wurde überschattet vom Krieg in der Ukraine, den Repressionen in  und der Isolation von Belarus sowie der Covid- 19 Pandemie. Deshalb stand für uns vor allem die Frage im Raum: Wie können und müssen wir unsere Arbeit als Kanikuli e.V. unter den aktuellen Bedingungen anpassen und weiterführen?Mit unseren Projektpartner:innen vor Ort haben wir hier über bestehende Projekte und neue Möglichkeiten diskutiert.

Nach einem langen Tag mit vielen Gesprächen auf Russisch und Deutsch, online und präsent steht fest, dass auch dieses Jahr wieder Freizeiten für Menschen mit Behinderung in Belarus stattfinden. Anfang August findet außerdem das integrative Zeltlager „Runder See“ in der Nähe von Minsk statt. Herzlich willkommen sind auch Teilnehmende aus Deutschland. Interessierte Personen können sich gerne bei Kanikuli melden!

Unsere Freiwilligen haben von ihrer Arbeit vor Ort berichtet, wie sie trotz rigoroser Quarantäneregelungen Kontakt in die Heime halten und wie die Unterstützung von außerhalb der Heime lebenden Menschen mit besonderem Förderungsbedarf immer mehr in den Fokus ihrer Arbeit gerät.

Neben dem Planen und Besprechen laufender Projekte, standen bei unserer MV wieder die Vorstandswahlen an. In diesem Jahr wurde der bisherige Vorstand ohne Gegenstimmen wiedergewählt.

Neben den intensiven inhaltlichen Arbeiten haben wir das Zusammentreffen in Halle genutzt, um uns als Vereinsmitglieder wiederzusehen, gemeinsam zu frühstücken, zu kochen und uns auszutauschen. Das die Mitgliederversammlung in Präsenz stattfinden konnte, war uns als Verein ein großes Anliegen.  Durch den gemeinsamen Austausch konnten wir  neue Energie und Ideen für die nächste Zeit zu sammeln.

Clara Schilke

Zum Krieg in der Ukraine

Seit Putins Angriff am 24. Februar 2022 herrscht in vielen Städten der Ukraine Krieg. Wir sind schockiert und solidarisieren uns mit den Menschen in der Ukraine, sowie ukrainischen Geflüchteten in Deutschland.

Der Krieg hat auch Auswirkungen auf das Leben und unsere Arbeit in Belarus. Auch in Belarus protestieren wieder zunehmend Menschen in Solidarität mit der Ukraine gegen die diktatorischen Regierungen von Putin und Lukaschenka und werden leider auch vermehrt verhaftet.

Schon in den letzten zwei Jahren wurde die Arbeit von Kanikuli e.V. in Belarus aufgrund der unsicheren politischen Lage und der Corona-Pandemie ausgebremst. Die verstärkte Isolation Belarus‘ erschwert unsere Arbeit noch mehr, da sowohl der persönliche Kontakt ins Land als auch die Arbeit unserer Freiwilligen vor Ort zunehmend eingeschränkt werden.

Bei unserer Mitgliederversammlung im Mai werden wir uns nochmal intensiv über die langfristigen Folgen austauschen und danach ausführlich über die Konsequenzen für Kanikuli e.V. berichten. Wir bemühen uns den Kontakt nach Belarus beizubehalten und so viele Projekte wie möglich am Laufen zu halten, um weiterhin Menschen mit Beeinträchtigungen in Belarus unterstützen zu können.

„Jeden Tag haben die Umstände uns herausgefordert“ – Runder See 2021

von Vera S. (Trainerin)

Der Sommer 2021 war reich an hervorragenden Abenteuern. Deren großzügige Quelle war die integrative Seminar-Freizeit “Runder See”. 

Als ich im Frühling dem Team beigetreten bin, konnte ich mir kaum vorstellen, welche Magie mich erwarten würde. 

Mein persönlicher Erfolg dieser Reise war es, den Begriff „Normen“ zu entlarven. Er hat einfach aufgehört zu existieren und hat sich aufgelöst. Alles, was nicht gegen die menschliche Freiheit verstößt, ist zur Norm geworden. Es war angenehm und cool, unterschiedliche Meinungen und Vorlieben zu haben, verschiedenen Geschlechts zu sein, mit oder ohne Behinderung. Es war normal, irgendjemand zu sein.

Laut der Genregesetze sollte ein längerer Aufenthalt mit unbekannten Menschen in einem Gebiet zu Stress führen. Für mich war dieser Stress überwiegend angenehm. Durch die ununterbrochene Kommunikation entdeckten wir, wie verschieden wir sind. Wir haben die Einzigartigkeit des/r anderen gesehen und sie angenommen. Wir wollten nicht nach Differenzen und Konflikten suchen, im Gegenteil – wir haben die die Menschen in unserer Nähe besser kennen gelernt. Dafür bin ich meinen Nachbarn auf der Lichtung besonders dankbar.

Jeden Tag haben uns die Umstände vor Herausforderungen gestellt. Unzählige Tests zu Toleranz, Verträglichkeit und effektiver Kommunikationsfähigkeit wurden bestanden. 

An einem Tag kochten die Teilnehmer:innen ihr eigenes Abendessen aus einer begrenzten Anzahl von Zutaten. Wir (die Teamer:innen) haben sie in der Phase der Lebensmittelverteilung ziemlich verwirrt. Trotz der nervösen Anspannung meisterten die Teilnehmer:innen die Situation souverän und haben alle satt bekommen. 

Es war interessant, die Aktionen der Teilnehmer:innen oder die Diskussionen während der Reflexion zu moderieren. Es war, als ob wir auf dem Meeresgrund nach Perlen suchten, wobei wir uns manchmal verirrten, aber wenn wir etwas fanden, war es besonders wertvoll, da wir es gemeinsam geschafft hatten. 

Ein wichtiger Teil des Camps war für mich der Hauptblock – Inklusion. Wir haben darüber diskutiert, wie Diskriminierung die Menschenwürde untergräbt und Rechte verletzt, wir haben uns in die Bedingungen hineinversetzt, unter denen einige Menschen von der Gruppe ausgeschlossen wurden, und wir haben herausgefunden, wie wir uns dabei fühlen. In dieser Phase kamen viele Stereotypen zum Vorschein. Wir erkannten, wie viele irrationale unterbewusste Einstellungen sich in uns versteckten und uns am Leben und an der Entwicklung hinderten.

Am ergreifendsten waren für mich die Methoden des modellhaften Staatsaufbaus und “Alias“ mit diskriminierendem Vokabular zu spielen. Beim ersten Mal kamen wir an den Punkt der absoluten Wildheit. Es wurde deutlich, wie leicht und einfach humanistische Werte zerstört werden können. Sie sind keine Selbstverständlichkeit – sie müssen geschützt werden. Und das Spiel bediente jedes Klischee, das den Teilnehmer:innen einfiel. Ihre Vielfalt und Verschiedenheit war erstaunlich. Es ist nicht leicht, den Kopf frei von Vorurteilen zu halten. 

Gleichzeitig erhielt ich eine große Portion Inspiration durch die anderen. Dabei spielte es keine Rolle, mit was sie sich beschäftigten: ob sie Schach spielten, ein Floß bauten, oder ein Theaterstück verfassten. Es war sichtbar, mit welcher Begeisterung sie dies tun. Die positive Energie war ansteckend, und jeder wollte sich bewegen, sich anpassen, etwas Spannendes für sich persönlich finden.  

An einem realen Beispiel habe ich erfahren, wie perfekt eine Idee funktionieren kann, wenn man ein gutes Team hat. Und das Team im Camp war außergewöhnlich. Es war ein Vergnügen mit den Teilnehmenden zu arbeiten: dank ihrer Aktivität und ihres Engagements, explodierte mein Trainer-Hirn nicht, wenn etwas nicht nach Plan lief. Es gab die Gewissheit, dass mit diesem Team alles funktioniert. 

Und natürlich war es eine große Freude, dem juwelenartigen Mechanismus des Lagers zuzusehen und daran teilzuhaben. Es war eine Freude, auf der gleichen Lichtung zu sein wie das Team von Freiwilligen und Organisator:innen. Die Herzlichkeit, mit der alle zum allgemeinen Wohlbefinden beitrugen, war spürbar. Die Verantwortung für die Sache lag in der Luft. Jeder verstand die Besonderheiten des Lebens in der Natur: entfernen wir die Zapfen nicht, würde es beim Schlafen weh tun; Seetang bedeutet kein Platz zum Schwimmen; wenn wir unsere Zelte nicht aufbauen, werden wir vom Regen durchnässt; wenn wir nicht auf den Brei im Kessel aufpassen, werden wir einen traurigeren Start in den Morgen haben als sonst. Ich werde die Erinnerungen an die Erbauer:innen und Architekt:innen einer kleinen Stadt, die für einen Moment in einem belarusischen Wald auftauchte, noch lange bewahren.

Nach dem Camp habe ich mich wohler gefühlt über Tabuthemen, welche in Verbindung mit Gender, Behinderung und Orientierung stehen, zu sprechen. Jetzt fühle ich mich freier, den ein oder anderen Aspekt mit Bekannten zu besprechen. Ebenso verankert ist das persönliche Gefühl für Inklusion und das Verständnis, wie schwierig, aber wichtig es ist, die Besonderheiten eines jeden Menschen zu berücksichtigen und zu respektieren. Und die Rolle der Trainerin gab mir die Erfahrung mit dem Chaos zu arbeiten; es geht nicht darum dem Drehbuch perfekt zu folgen, sondern dem Ziel so nahe wie möglich zu kommen, indem man zwischen den Elementen manövriert wie ein Surfer auf einem Brett.

Es war ein Sommer mit einem Hauch von Sonnenuntergang über dem zinnernen Stausee und Gesprächen auf dem Steg. Das Abenteuer glückte, wie sollte es auch anders sein, wenn die Magie des Runden Sees am Werk war. 

Weihnachtspäckchenaktion 2021

Im letzten Jahr haben haben wir mit Kanikuli e.V. erstmals eine Weihnachtspäckchenaktion gestartet und mit eurer Hilfe personalisierte Weihnachtspost nach Belarus geschickt, um auch während der Quarantäne den Kontakt in die Heime zu halten (Kanikuli e.V. berichtete)

Leider hat sich die Situation auch in diesem Jahr nicht verbessert. Die meisten Minsker Heime stehen und immer noch unter einer Dauerquarantäne. Umso wichtiger finden wir es, unsere Weihnachtspäckchenaktion auch dieses Jahr durchzuführen.

Aufgrund der angespannten Situation an der belarussischen Grenze wissen wir noch nicht genau, ob ein Teil der Päckchen über eine Sammelstelle nach Belarus gelangt, oder ob die Päckchen direkt nach Belarus geschickt werden.

Wie letztes Jahr, werdet ihr bei Interesse die Kontaktdaten einer Person aus dem Heim erhalten und Informationen, was ihr so schenken könnt. Dann erhalten ihr von uns Informationen über die Zollbestimmungen und wie das Paket nach Belarus gelangen wird. Gerne helfen wir euch auch bei Übersetzungshilfen oder Anregungen.

Bei Interesse meldet euch gerne unter folgender E-Mail-Adresse: weihnachtspost@kanikuli-ev.de

Mitgliederversammlung und Jubiläumsfeier 2021

Kanikuli e.V. hatte am Wochenende des 18. und 19. September gleich zwei denkwürdige Ereignisse zu begehen: Am 18. September stand die 2. Mitgliederversammlung für das Jahr 2021 auf dem Plan, und am 19. September feierte Kanikuli e.V. sein 15-jähriges Bestehen. Das besondere and der MV war dabei, dass sie zum ersten Mal seit 2019 sowohl in Präsenz als auch online stattfand.

Während der MV ging es hauptsächlich um die derzeitige Lage in Belarus. Diese hat sich seit der Wahl im August 2020 und dem international nur teilweise anerkannten Wahlsieg des Präsidenten Alexander Lukashenko für zivilgesellschaftliche Organisationen immer weiter verschlechtert. Dies, und das noch stets den Alltag in den Heimen dominierende Coronavirus erschweren die Arbeit von Kanikuli e.V. erheblich. Daher wurde auf der MV darüber diskutiert, wie Kanikuli e.V. am besten mit dieser Lage umgehen kann. Sehr berührend und wichtig war für uns dabei, online direkt von unseren Partner*innen vor Ort über ihre derzeitige Situation zu hören und darüber, welche neuen Wege sie gefunden haben, Projekte durchzuführen. Daneben stand auch eine mögliche Neuausrichtung der Finanzierung auf der Agenda, da ab 2022 das belarusische Freiwilligenprojekt durch die Robert Vogel Stiftung finanziert wird und die Freizeiten aus anderen Quellen finanziert werden müssen. Auch stand die angesichts der aktuellen Lage notwendige Neukonzipierung des belarusischen Freiwilligenprojekts auf dem Plan. All dies wurde in konstruktiver Runde beschlossen und wer angereist war genoss es, endlich wieder eine MV live und in Farbe miterleben zu können.

Und dann stand am nächsten Tag das 15-jährige Jubiläum an: Bei einem ebenfalls in Präsenz und online abgehaltenen Brunch, bei dem auch ein nächtlich gebackener, köstlicher Möhrenkuchen nicht fehlen durfte, erinnerten wir uns an  die vielen Höhepunkte der vergangenen 15 Jahre und lauschten gebannt einer Videobotschaft eines der Gründungsmitglieder, die uns zu diesem feierlichen Anlass erreicht hatte .
Wir gratulieren Kanikuli e.V. ganz herzlich zum 15-Jährigen und hoffen auf noch viele Jahre des Bestehens und auf weitere erfolgreiche Projekte in der Zukunft!

Jakob und Gesa.

Auflösung dutzender NGO’s in Belarus

In Belarus spitzen sich die Repressionen gegen zivile und politische Organisation sowie journalistische Arbeit weiterhin drastisch zu. Letze Woche kam es erneut zu Verboten und Dursuchungen von mehreren dutzend Nicht-Regierungs-Organisationen, Vereinen und Privatpersonen. Laut der Menschenrechtsorganisation Wesna sind bereits 47 NGO’s vom Justizministerium verboten worden. Die Verbote treffen wie ein Rundumschlag jegliche Art von nicht-staatlicher Organisation: Es sind ebenso politische wie medizinisch-soziale Hilfsorganisationen betroffen. Unter den jüngst verbotenen Organisationen befindet sich unter anderem die NGO Imena, eine Crowd-Funding-Plattform, die soziale Projekte in Belarus unterstützt und sich unter anderem für erkrankte Kinder, Menschen ohne festen Wohnsitz und Opfer häuslicher Gewalt einsetzt. Auch das „Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderung“ ist betroffen, welches ein jahrelanger geschätzter Partner von Kanikuli e.V. ist und dessen kostenlose Rechtsberatung wir dankend in Anspruch nahmen. Wir blicken mit großer Sorge auf die Ereignisse der letzten Woche und auf die Auswirkungen der Verbote. Sie stellen eine erneute Eskalation der Regierung gegen die Selbstorganisierung der Zivilgesellschaft dar. Die Arbeit vieler NGO’s wird schmerzlich vermisst werden, für tausende Menschen fallen essentielle Unterstützungsangebote weg. Auch für uns, aber vor allem für unsere Projektpartner:innen vor Ort bedeutet dies eine enorme Einschränkung und Illegalisierung ihrer Arbeit.

Soliaktion

Zum Mitmachen: Videos zur Solidarität mit protestierenden Menschen mit Behinderung in Belarus

Die Demonstrationen und Märsche der letzten Monate gehören in Minsk und vielen anderen Städten in Belarus mittlerweile zum Alltag im Stadtbild. Seit dem 15.10. gehen auch Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen und Unterstützer*innen auf die Straße. Unter dem Motto „Marsch der (Nicht-)Behinderten“ demonstrieren die Teilnehmenden seither für freie Wahlen und gegen die Gewalt, welche die Sicherheitskräfte gegen friedlich demonstrierende Menschen einsetzen. Wie momentan in Belarus üblich wird auch ihnen vom Lukashenka-Regime mit Gewalt und Festnahmen begegnet.

Wir von Kanikuli begrüßen die Initiative der (Nicht-)Behinderten, denn es ist nicht nur ein Statement gegen Gewalt, sondern auch ein Empowerment von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen. Dieses Empowerment möchten wir gerne unterstützen und daher gemeinsam mit euch ein Solidaritätsvideo aufnehmen.

Das Ziel ist es möglichst viele diverse Videos zu haben. Wir werden diese dann zu einem gemeinsamen Film zusammen schneiden und diesen im Internet veröffentlichen. Wie genau du das Video gestalten willst ist dir relativ frei gestellt. Wichtig ist, dass durch Sprache (z.B. russisch, belarusisch, deutsch, english, Gebärdensprache), Plakate oder Symbole eine Solidaritätsbekundung mit Menschen mit Behinderung und anderen Protestierenden in Belarus stattfindet.

Was muss ich beachten?

  1. Horizontale Aufnahme
  2. Nicht länger als 30sek.
  3. Störgeräusche von außen möglichst vermeiden.
  4. Video anschließend über wetransfer.com oder ein anderes filesharing-Programm an lina.mueller@kanikuli-ev.de senden.
  5. Bitte sende dein Video bis zum 15.03.2021 an uns.
Frau hält Plakat neben Kind im Rollstuhl

»Es ist nicht furchtbar Mutter eines Sohnes im Rollstuhl zu sein. Es ist furchtbar, die Mutter eines Banditen mit Maske zu sein.« (Anm.: Die Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen tragen Masken, die sie unkenntlich machen)

»Nötige Leute« unter Hausarrest

Für das inklusives Café-Projekt hat sich Kanikuli e. V. sehr über die kostenlose Rechtsberatung durch das belarusische „Büro für Rechte von Menschen mit Behinderungen“ gefreut. Aktuell wird das „Büro“ juristisch verfolgt und die beiden Kernpersonen wurden inhaftiert bzw unter Hausarrest gestellt. Wir möchten die durchweg positive Zusammenarbeit und ausgesprochen wichtige Rolle des „Büros“ in der Umsetzung der rechtlichen Ansprüche von Menschen mit Behinderungen in Belarus betonen.

Die Zeitschrift IMENA hat einen russischsprachigen Artikel dazu veröffentlicht. Im folgenden veröffentlichen wir eine leicht redigierte automatische Übersetzung von deepL.

Sergej Drosdowskij redet
Sergej Drosdowskij

»Nötige Leute«

Warum das Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Belarus gebraucht wird.

Der Direktor und der Anwalt des Büros für die Rechte von Menschen mit Behinderungen Sergej Drosdowskij und Oleg Grabljowskij wurden strafrechtlich verfolgt. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten werden Sergej und Oleg des Betrugs verdächtigt. Oleg wird im temporären Haftzentrum ‚Okrestina‘ festgehalten, während Sergej unter Hausarrest steht. Vor der Verhaftung brachten Oleg und Sergej zum Ausdruck, dass der Druck auf das Büro im Zusammenhang mit ihren Menschenrechtsaktivitäten stand. Jetzt ist die Arbeit des Amtes gelähmt, den Bedürftigen wird die Hilfe vorenthalten. Svetlana Kolontaj kann von den Mitarbeitern des Büros keinen Rechtsbeistand bekommen – das Sozialamt droht, ihr Kind ins Internat zu bringen. Denis Jurkow kann nicht ohne Oleg vor Gericht gehen – gemeinsam wollten sie Änderungen in der Gesetzgebung vornehmen und die Frage der Arbeitsrenten für Menschen mit Behinderungen vereinfachen. Das kleine Team des Büros hat viel Arbeit für Belarus geleistet. Wir sprachen mit den Mentees und Partnern der Organisation über die Hilfe, die das Büro für Menschen mit Behinderungen leistet und warum es so wichtig ist, dass diese Arbeit fortgesetzt wird.

Das Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist eine gemeinnützige Menschenrechtsorganisation, die ihre Arbeit im Jahr 2010 aufgenommen hat. Die Mission des Teams ist es, die Einstellung der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderungen zu verändern, Barrieren und Vorurteile abzubauen. Neben der Durchführung von Informationskampagnen und der Vorbereitung von Änderungen in der belarusischen Gesetzgebung bot das Büro Menschen mit Behinderungen und ihren Angehörigen kostenlose Rechtshilfe an. Die Öffentliche Kammer bearbeitete mehr als tausend Einsprüche pro Jahr.

2016 ratifizierte Belarus die UN-Behindertenrechtskonvention. Das Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderungen hat dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Das Büro ist ein langjähriger Partner von IMENA. Unsere Kolleg*innen haben auf unsere Bitten, in schwierigen Situationen zu helfen, immer heldenhaft reagiert. Sie waren dabei, als die Behörden Sergej Barantschuk und Jelena Fjodorowitsch ihren Sohn wegnahmen, weil ihrer Meinung nach Menschen mit Behinderungen keine Eltern sein können. Sie berieten, wie die Rechtsfähigkeit wiederhergestellt werden kann, damit Menschen wie Jura Kusmin selbst entscheiden können, wo sie leben, mit wem sie kommunizieren und wo sie arbeiten. Das Team des Büros nahm am IMENA-Projekt Coronavirus: PSA für Sozialarbeiter und ältere Menschen teil: Sie halfen bei der Erstellung eines Fragebogens für soziale Einrichtungen und wählten Organisationen aus, die dringend PSA benötigten.

»Es ist nicht die Schuld eines Menschen mit einer Behinderung, dass er sich nicht in die von uns geschaffenen Rechtsverhältnisse einfügen kann. Er ist diese Art von Mensch – und damit muss man rechnen. Wenn wir Bedingungen schaffen, in die eine Person nicht hineinpassen kann, müssen wir erkennen, dass es unser Problem ist. Und es liegt in unserer Verantwortung, Einstiegspunkte für Menschen in das System zu schaffen.«

Sergej Drosdowskij, Direktor des Büros für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (aus einer Diktiergerätaufnahme eines Gesprächs mit einem IMENA-Journalisten am 28. Oktober 2020)

Swetlana Kolontaj, Mutter eines Sohnes mit einer Behinderung

– Ich erinnere mich noch daran, wie ich im Jahr 2016 ins Krankenhaus fuhr, um meinen Sohn Serafim zu besuchen. Meine Beine zitterten und meine Hände zitterten – sie wurden wie Watte. Ich ging und dachte: „Gott schenke dir das Leben, mein Sohn! Ein Fußballtor in der Schulturnhalle fiel auf Serafim – er war damals 10 Jahre alt. Beidseitige offene Schädelfraktur und 11 Tage auf der Intensivstation. Er wurde sofort auf dem linken Ohr taub. Und nun begann sein rechtes Ohr taub zu werden. Psychische Probleme, wird leicht müde und wenn ihm etwas nicht gelingt, wird er nervös und fängt an, Augenticks zu haben. Ständige Kopfschmerzen.

Ich bin nach dieser Situation an verschiedene Orte gegangen und habe alles gemacht – überall gab es Ablehnungen. Bis ich zum Büro ging. Ich habe 2016 an Oleg Walerjewitsch [Grabljowskij] geschrieben, dann bin ich mit den Dokumenten zu ihm gekommen, er hat sie sich angesehen und gesagt: „Ich habe alles verstanden“. Und seitdem und bis heute helfen er und Sergej Jewgenijewitsch [Drosdowskij] mir. Zuerst halfen sie mir, mein Kind als behindert anzumelden, dann halfen sie mir, bei Gericht einen Antrag auf Eröffnung eines Strafverfahrens zu stellen. Das Gericht hat den Fall zu den Akten gelegt. Dann sagte Oleg Walerjewitsch zu mir: „Lassen Sie uns versuchen, eine Entschädigung für die Behandlung des Kindes zu beantragen. Wir haben das Gericht gewonnen – die Schule musste uns 10 Tausend Rubel zahlen. 5.000 wurden bezahlt, 5.000 sind noch nicht bezahlt.

Meine Probleme waren damit noch nicht zu Ende. Kürzlich sagten die Vormundschaftsbehörden, dass sie Serafim in ein Internat bringen würden. Denn ich habe keine feste Unterkunft für das Kind – das Wohnheim, in dem wir waren, wurde geschlossen. Das Büro half mir wieder – und wir bekamen eine Sozialwohnung zugewiesen – eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Wir haben zwei behinderte Menschen in der Familie – Serafim und meinen Mann. Er wurde 2010 geschlagen und kann seither nicht mehr gehen, nur noch die Hände funktionieren.

Am 18. Februar habe ich eine Verhandlung: Sie werden entscheiden, ob mein Sohn bei mir bleiben darf. Das Büro half mir bei der Vorbereitung. Sergej Jewgenjewitsch beruhigte mich: „Alles wird gut, mach dir keine Sorgen, wir werden dir helfen“. Ich weiß nicht, was jetzt sein wird. Schließlich wissen Sie, wie es vorher war? Als ich einige Papiere bekam, schrieb ich sofort an Oleg Walerjewitsch – dies und jenes. Er hat es mir erzählt: „Bringen Sie es zu mir und wir werden das Problem lösen“. Keine Ablehnungen.

Enira Bronizkaja, Juristin, arbeitete in den ersten fünf Jahren nach der Gründung für das Büro

– Organisationen von Menschen mit Behinderungen hat es in Belarus schon immer gegeben. Aber sie wurden nach verschiedenen Arten von Behinderungen unterteilt. Alle waren durch die Belarusische Gesellschaft der Behinderten vereint. Aber es war immer noch das sowjetische Erbe. Dort gab es einen sozialmedizinischen Ansatz. Gleichzeitig betrachtete niemand die Menschen mit Behinderungen unter dem Gesichtspunkt ihrer Rechte. Sie waren immer ein Objekt der Hilfe und kein Subjekt, das Rechte hatte. Das Büro nahm eine andere Position ein – es beschäftigte sich mit den Rechten von Menschen mit Behinderungen.

Ich habe im Büro gearbeitet, als es anfing. Die ersten fünf Jahre waren wir sehr stark mit der Arbeit am Beitritt von Belarus zur UN-Behindertenrechtskonvention beschäftigt. Wir hatten die Kampagne „Unterschreibe mit deinem Herzen“. Wir haben gesagt, dass die Konvention alle betrifft, nicht nur Menschen mit Behinderungen. Eine große Anzahl von Organisationen hat sich der Kampagne angeschlossen. Denn es geht darum, dass Menschen mit Behinderungen Teil der Gesellschaft sind und es um jeden geht. Auch Unternehmen und verschiedene andere Strukturen schlossen sich der Kampagne an.

Vom ersten Jahr an funktionierte der öffentliche Empfangsraum. Nicht nur Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen haben sich damit auseinandergesetzt, sondern auch Organisationen und Strukturen, die ihre Mitarbeiter*innen mit Behinderungen in irgendeiner Weise schützen wollen. Wir haben Beratungen über eine barrierefreie Umgebung durchgeführt, haben gesagt, wie es gemacht werden kann.

Wir haben immer juristische Notizen gemacht und mit den Medien zusammengearbeitet – wir haben Informationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen veröffentlicht. Das Büro positionierte sich als Menschenrechtsorganisation. Wir haben mit verschiedenen Strukturen zusammengearbeitet. Wir haben zum Beispiel viel mit dem Ministerium für Arbeit und Sozialschutz zusammengearbeitet. Immerhin konzentrierte das Amt Expert*innenen mit Spezialwissen, und es gab viele Ideen, wie man das Leben von Menschen mit Behinderungen verbessern könnte.

Sergej Dikman, Koordinator für Projekte des Europarates

– Unsere Organisation hatte mehrere Projekte in Belarus. Es handelte sich nicht um Partnerschaftsprojekte mit dem Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Wir haben Sergej Drosdowskij persönlich als Experten hinzugezogen. Das letzte Projekt war letztes Jahr; es ging um die Strafjustiz in Belarus. Im weiteren Sinne ging es um Bildung im Bereich der Menschenrechte. Und Sergej war zu dieser Zeit Berater und Trainer. Er sprach über internationale Standards zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen, darüber, wie die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen aussehen kann. Es war sehr wertvoll, dass er die internationale Praxis mit den Geschehnissen in Belarus in Verbindung bringen konnte. Sergej war immer sehr ausgewogen in seiner Einschätzung dessen, was die belarusischen Behörden taten. Das Office-Team kam im Dialog mit den Behörden immer mit konkreten Vorschlägen heraus – was verbessert werden sollte.

Aleksandr Awdewitsch, Gründer von „Inclusive Barista“, einem für Menschen mit Behinderungen zugänglichen Coffee Shop

– Wir beschäftigen hauptsächlich Menschen mit Behinderungen. Wenn sich also rechtliche Fragen ergeben, die das Geschäft betreffen, oder wenn wir irgendwo eine barrierefreie Umgebung schaffen müssen, wenden wir uns natürlich sofort an das Amt für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Wir kennen das Team des Office schon lange, wir sind Freunde. Wahrscheinlich seit 2013 oder 2014. Sie haben kürzlich unsere Baristas beraten, als sie für die Teilnahme an Kundgebungen mit einer Geldstrafe belegt wurden.

Wir haben nicht nur Mitarbeiter*innen, die Menschen mit Behinderungen sind, sondern auch einige unserer Besucher*innen. Und viele von ihnen haben selbst einige Fragen, die in unseren Cafés am häufigsten gestellt werden – und wie es ist, und irgendwie. Zum Beispiel, wie man die Frage mit der Rente, mit dem Taschengeld löst. Und das Office hilft bei diesem Vorhaben sehr. Denn es gibt ein Telefon – sie werden Ihnen alles sagen. Damit wir nicht etwas erfinden und nicht lügen, nicht unsere eigene Version erzählen. Es ist sehr cool, dass es eine einzige Nummer gibt, wo man anrufen kann. Dies ist der einzige Ort wie dieser, den ich den Leuten so empfehlen kann.

»Zunächst wurden die Menschenrechte an das Bild eines weißen jungen Mannes „angepasst“. Erst später mussten wir die Rechte immer wieder klären und zu einem Diskriminierungsverbot kommen, um die Rechte aller Menschen zu berücksichtigen. Wir befinden uns jetzt in der gleichen Phase der Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen. Es gibt einen bestimmten „normalen“ Menschen, er schafft die Lebensbedingungen für sich selbst und verweigert anderen die Verantwortung. Dies ist nicht richtig.«

Sergej Drosdowskij, Direktor des Büros für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (aus einer Diktiergerätaufnahme eines Gesprächs mit einem IMENA-Journalisten am 28. Oktober 2020)

Denis Jurkov, Mensch mit Behinderung

– Im Jahr 2001 wurde ich am Gehirn operiert – dort befand sich eine Zyste. Nach der Operation fing ich an, Krampfanfälle zu bekommen. Im Jahr 2008 wurde meiner Mutter gesagt, dass es notwendig sei, eine Behinderung der Gruppe 3 zu beantragen. Wir haben es geschafft, und ich habe sofort einen Job bekommen. Ich erhielt ein Gehalt und eine Sozialrente wegen Arbeitsunfähigkeit. Schließlich dachte ich, wie viele Menschen, dass nur ältere Menschen Arbeitsrenten bekommen. Aber es stellte sich heraus, dass sie es nicht taten.

2019 habe ich zufällig eine Frau kennengelernt, die mir erklärt hat: Sie können eine Erwerbsminderungsrente bekommen, Sie sind behindert. Ich rief die Sozialversicherung an – sie sahen es sich an und sagten – es stimmt, Sie haben bereits 10 Jahre gearbeitet. Es stellte sich heraus, dass Menschen mit Behinderungen nicht nur die Sozialrente, sondern auch eine Arbeitsrente erhalten können (und diese ist größer), wenn mindestens eine Mindestdienstzeit vorliegt. Mir wurde gesagt, dass sie mich von einer Sozialrente in eine Beschäftigungsrente überführen können. Ich habe angefangen, 40 Rubel mehr zu bekommen.

Danach habe ich beschlossen, dass es ein Problem gab – es musste gelöst werden. Warum hat mich niemand gewarnt? Es wäre einfacher gewesen, zu schreiben: Sozialrente für Behinderte, Arbeitsrente für Behinderte. Ich habe ausgerechnet, dass ich 10 Jahre lang um etwa 1.000 Dollar unterbezahlt war.

Ich bin zu einem bezahlten Anwalt gegangen. Ich wollte die 1.000 Euro erstattet bekommen. Der Anwalt verwies mich an das Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Sie sagten mir, wenn du bereit bist, werden wir mit dir arbeiten. Und wir haben angefangen. Oleg Grabljowskij half mir, Beschwerden und Berufungen an das Gericht zu verfassen. Am Ende haben wir das Geld nicht zurückbekommen. Aber wir hatten ein neues Ziel – wir wollten, dass Menschen mit Behinderungen über ihr Recht auf eine Beschäftigungsrente lernen. Oleg wollte vor das Verfassungsgericht ziehen. Aber dazu ist es noch nicht gekommen. Aber wir wurden auch so schon gehört – und es stellte sich heraus, dass die Leute anfingen, schriftliche Mitteilungen zu erhalten. Sie wurden zu einem Termin eingeladen, um von einer Sozialrente zu einer Beschäftigungsrente zu wechseln.

Mir ist jetzt klar, was für ein Glück ich hatte, in das Büro zu kommen. Als ich zu einem bezahlten Anwalt ging, dachte ich – naja, ja, das wird Geld kosten. Die Beratung, wurde mir gesagt, 50 Rubel. Später, als ich durch die Gerichte ging, dachte ich an all die Konsultationen mit Oleg Grabljowskij. Wenn ich das alles mit einem bezahlten Anwalt gemacht hätte, hätte ich am Ende mit einer hohen Rechnung dagestanden. Und schnell hätte ich wahrscheinlich meine Hände fallen lassen. Ich hätte gedacht, dass das alles nutzlos sei und das Geld nur vergeudet würde. Aber hier ist Oleg immer bei mir: Er geht zum Gericht, sitzt auf dem Flur, wir gehen gemeinsam in den Saal. Ich war die ganze Zeit besorgt, in einer Pause frage ich ihn – was soll ich sagen? Er würde mir alles erzählen. Generell würde ich nicht ganz alleine dorthin gehen.

Olga Dominikewitsch, Direktorin der sozial-karitativen Einrichtung „Es gibt etwas zu tun“

Unser Team besteht schon seit längerer Zeit in anderen Organisationen. Wir waren als Angestellte im NGO-Sektor tätig. Aber 2019 haben wir uns entschlossen, unsere eigene Einrichtung zu registrieren. Wenn ich einen Rat brauchte, wie ich die Organisation fördern sollte, welche Entscheidungen ich treffen sollte, war die erste Person, zu der ich lief, Sergej Drosdowskij. Als ich einen Rat in einem beruflichen Bereich brauchte, der mit Menschen mit Behinderungen und dem Schutz von Rechten zu tun hatte, wandte ich mich an Sergej. Und ich weiß, dass ich bei weitem nicht alleine bin.

Unsere Einrichtung hilft Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Wir haben uns bewusst entschieden, uns mit der Registrierung nicht einzuschränken, obwohl die engste Zielgruppe für uns Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sind, die in Waisenhäusern leben. Jetzt haben wir Erwachsene, die in psycho-neurologischen Wohnheimen leben, denn von April 2019 bis zum Beginn der Quarantäne im Jahr 2020 haben wir eineinhalb Jahre lang als Freiwillige in den Kinder- und Erwachsenenwohnheimen gearbeitet.

Als COVID zuschlug, war das Büro für die Rechte von Menschen mit Behinderungen das erste, das öffentlich Alarm über die Situation in den Heimen schlug. Sergei und ich haben es besprochen. Wir hatten große Angst vor einer Wiederholung der europäischen Geschichte, als Menschen in den Heimen während der Quarantäne starben. Gemeinsam mit dem Amt haben wir eine Initiative wie in Russland ins Leben gerufen. Dort beschlossen Freiwillige von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die schwersten Kinder für die Dauer der Epidemie aus den Heimen zu nehmen. Auf diese Weise gelang es ihnen, mehrere Dutzend Menschen zu retten, die sonst vielleicht gestorben wären.

Das Büro initiierte einen offenen Brief an das Ministerium für Arbeit und Sozialschutz. Darin schlug es vor, zu diskutieren, wie NGOs während der Epidemie helfen könnten. Wir waren bereit, nach Freiwilligen zu suchen, die sowohl Kinder als auch ältere Menschen vorübergehend nach Hause bringen konnten. Sergei schlug vor, dass wir so oft wie möglich Leute aus den Heimen auf Heimaturlaub nehmen könnten. Aber die Vorschläge wurden nicht angenommen. Dann haben wir gemeinsam mit dem Amt beschlossen, eine Aktion zu starten, um Spenden für die Waisenhäuser zu sammeln. So konnten wir rund 50 Einrichtungen helfen. Es handelt sich um Waisenhäuser, einschließlich der allgemeinen Art von Heimen, in denen ältere Menschen untergebracht sind. Und, zum Beispiel, ein Aufnahmezentrum für minderjährige Kinder in Okrestina. Wir gaben ihnen Spenden und medizinische Geräte, die wir ergattern konnten.

Olga Smoljanko, Direktorin, Lawtrend Legal Information Centre

Unsere Organisation kooperierte mit dem Büro, wir arbeiteten gemeinsam an Appellen an internationale Organisationen, an gemeinsamen Erklärungen – an systemischen Veränderungen. Unsere Tätigkeitsbereiche decken sich – wir sind auch eine Menschenrechtsorganisation. Wir setzen uns für die Einhaltung der Menschenrechte in Belarus ein, einschließlich der Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Herr Drosdowskij ist ein Experte des Europarates und des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF). Und Oleg Grabljowskij arbeitete mit UNDP – dem UN-Entwicklungsprogramm. Wenn wir nicht über internationale Organisationen sprechen, weiß ich, dass Oleg eng mit der Krebspatientenorganisation „In the Name of Life“ zusammengearbeitet hat – er hat deren Patienten beraten. Es ist wichtig zu erwähnen, dass Belarus der Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zu einem großen Teil aufgrund der Bemühungen des Büros beigetreten ist. Nach dem Beitritt überwachte das Büro die Umsetzung der Konvention.

Wir verfolgen die Situation, die sich jetzt mit dem Büro ereignet. Belarusische Menschenrechtsorganisationen verbinden den Druck auf das Büro mit ihren Menschenrechtsaktivitäten. Insbesondere durch den Abschluss von Verträgen mit mehreren Rechtsanwält*innen, die Menschen mit Behinderungen helfen. Seit 10 Jahren führt das Büro systematisch Beratungen für Menschen mit Behinderungen durch, setzt sich für Änderungen in der Gesetzgebung in Bezug auf Menschen mit Behinderungen ein und führt Bildungsaktivitäten durch, um die Einstellung von Menschen mit Behinderungen zu ändern. Wir hoffen, dass die Schikanen des Büros ein Ende haben und sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren können.

»Wir sollten alle hart arbeiten und die richtigen Leute an der richtigen Stelle denken lassen. Wir müssen die Frage der Rechte von Menschen mit Behinderungen ernster nehmen und dabei alle Umstände, das gesamte Wissen, das wir haben, und die Meinungen aller Fachleute im Lande berücksichtigen. Dies ist sehr wichtig.«

Sergej Drosdowskij, Direktor des Büros für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (aus einer Diktiergerätaufnahme eines Gesprächs mit einem IMENA-Journalisten am 28. Oktober 2020)

Die Pakete sind angekommen!

Mitte Januar erreichte uns die frohe Kunde dass die Weihnachtspäckchen, die wir Ende Dezember auf die Reise gegeben haben in Belarus angekommen sind und dort für viel Freude unter den Bewohnern der Heime in Novinki gesorgt haben, wie sie auch den Bildern entnehmen können. An dieser Stelle nochmal ein ganz großes Dankeschön an alle die ein Päckchen gestiftet haben!

Update zu unserer Weihnachtspost

Viele unserer Unterstützer*innen haben sich an unserer Weihnachtspäckchenaktion beteiligt. Für die Weihnachtspäckchen haben wir mit einer Berliner Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen zusammengearbeitet. So konnten wir viele Päckchen sammeln. Bisher erhalten 73 Bewohnerinnen und Bewohner der Heime in Novinki und Vjacha Weihnachtspost!

Einige der Päckchen werden direkt nach Minsk geschickt. Die anderen hat unser Mitglied Evelyn gesammelt und sie gemeinsam mit ihren Kindern zu dem Verein Tabea e.V. gebracht, der Hilfstransporte nach Belarus organisiert und unsere Pakte auf ihrem Weihnachtstransport mitnimmt. Wir hoffen nun, dass die gerade bestehenden langen Schlangen an der Grenze unsere Päckchen nicht lange aufhalten und sie rechtzeitig zu Weihnachten bzw. zum neuen Jahr, welches in Belarus das größere Fest ist, ankommen.

Unsere gesammelten Päckchen auf dem Weg zum Hilfstransport
Auch der letzte freie Platz musste ausgenutzt werden
Evelyn mit tatkräftiger Hilfe