Inklusives Wohnen auf dem Dorf


„Wir wollen, dass Menschen eine Zukunft haben. Unabhängig von ihrem Alter, ihren Besonderheiten und Möglichkeiten. Wir wollen das für uns selbst und für andere. Wir wollen das für alle. Warum? Weil es anders nicht geht.“ In den vergangenen 10 Jahren konnten wir in unseren Ferienfreizeiten vielen Menschen, die in staatlichen Heimen in Belarus leben für eine kurze Zeit einen Ausbruch aus ihrem tristen Alltag ermöglichen. Seit einigen Jahren findet eine Freizeit mit Erwachsenen schon nicht mehr in Sanatorien, sondern auf einem ganz normalen Dorf in Belarus statt. Und auch in den Heimen hat sich einiges verändert, so gibt es im Erwachsenenheim nun drei Stationen auf denen die Bewohnerinnen und Bewohner ihren Alltag selbstständig organisieren. Für unsere Freizeiten mit Erwachsenen bedeutete dies, dass es dort nun viel darum ging, Menschen dazu zu befähigen, ihre alltäglichen Angelegenheiten selbst zu organisieren. Doch dies reicht uns nun nicht mehr! Unser langfristiges Ziel ist es, dass Menschen mit Behinderung in Belarus nicht mehr in großen staatlichen Heimen leben, sondern dass sie die Möglichkeit haben, in der Gesellschaft so zu leben, wie sie es möchten und sie dafür die Unterstützung erhalten, die sie brauchen. Dieses Ziel möchten wir nun angehen! Dafür unterstützen wir eine Gruppe von Menschen um unsere langjährige Partnerin Daria Yeskevich beim Gründen eines Wohnprojekts. Zurzeit besitzt dieses Wohnprojekt zwei Holzhäuser in einem kleinen Dorf in Belarus. Eins der Häuser wurde letztes Jahr saniert, es wurde eine Kanalisation gebaut, das Haus bekam fließendes Wasser und es wurde wohnlich gestaltet. Diesen Sommer soll nun ein zweites Haus renoviert werden. Die Renovierung findet gemeinsam mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer Ferienfreizeiten und Freiwilligen statt. Dabei packen alle ihren Fähigkeiten entsprechend mit an, ob Mensch mit oder ohne Behinderung. Die Häuser stehen in einem typischen Dorf in Belarus, welches auch dadurch typisch ist, dass dort kaum noch junge Menschen leben und es ohne neue Einwohnerinnen und Einwohner aussterben würde. Das Wohnprojekt bietet die Chance dies zu verhindern. Schon jetzt wird der Kontakt mit den alteingesessenen Bewohnerinnen und Bewohnern gepflegt und sich gegenseitig unterstützt. Ein solcher Austausch bedeutet gelebte Inklusion. Wie soll es weitergehen? In diesem Sommer soll das zweite Haus ausgebaut werden. Dabei wird besonders darauf geachtet werden, dass auch Menschen mit einer körperlichen Einschränkung gut in ihm leben können. Daneben bekommt auch dieses zweite Haus einen Zugang zur Kanalisation und fließendes Wasser. Das Dach und die Fenster müssen ausgetauscht werden. Beide Häuser sollen außerdem winterfest gemacht werden, um auch den kalten Wintern in Belarus trotzen zu können. Wir haben auf Betterplace einen Spendenaufruf gestartet um Geld für das Winterfestmachend der Häuser zu sammeln. Wir freuen uns über jede Spende.

Fachkräfte-Austausch „Andere Arbeitsweisen“ 2008


Hier geht es zum zweiten Teil des Austausches. Intensive und vielseitige Einblicke in die deutsche Behindertenarbeit und neue Perspektiven für ihre Arbeit in Weißrussland – das erhofften sich die zehn belarussischen Teilnehmer, die an unserem Austauschprogramm Andere Arbeitsweisen teilgenommen haben. Vom 22.11. bis zum 5.12.2008 hospitierten die Fachleute in verschiedenen Einrichtungen der Behindertenarbeit in und um Bremen. Zu den besuchten Einrichtungen gehörten neben der vielseitigen Behindertenorganisation „Martinsclub“ („Wohnen“, „Bildung und Freizeit“, „Assistenz in Schulen“) und der „Lebensgemeinschaft Johannishag“ (individuelle Wohngruppen, unterschiedliche Werkstätten), die jeweils ein mehrtägiges Programm organisierten, die „Lebenshilfe Bremen„, die „LAGS„, „Selbstbestimmt Leben„, „Integrationsförderung e.V.„, die „Tobias-Schule„, die „Werkstatt Bremen (Martinshof)“ und das „Blaumeier-Atelier„. Desweiteren gehörten aber auch kulturelle Veranstaltungen zu den Programmpunkten. Der Austausch wurde von allen Beteiligten als insgesamt erfolgreich angesehen, auch wenn es einige Probleme, z.B. innerhalb der Gruppe, zu lösen gab und das Programm von manchen als zu voll empfunden wurde. Für alle Teilnehmer waren interessante Programmpunkte dabei und das primäre Ziel des Austauschs, einen vielseitigen Einblick in die deutsche Behindertenarbeit zu ermöglichen, wurde vollends erfüllt. Hier ein paar Stimmen belarussischer und deutscher Teilnehmer über den Austausch: „… Die Fahrt nach Bremen hat mir sehr gut gefallen. Mir sind sehr viele Eindrücke von dem Gesehenen geblieben. Ich habe viel Neues für mich selbst entdeckt und erfahren. Viel Interessantes gesehen und gehört. Und nicht nur das. Mich hat die Sorge um die Menschen mit Behinderungen berührt, ebenso die große Anzahl an Organisationen, die sich in Deutschland mit diesem Problem beschäftigen.“ Marina Melianets (Ergotherapeutin im Behinderteninternat „Novinki“) „…Wir standen in einer der Werkstätten, die wir besuchten, und vor einem Tisch, an dem die gefertigten Kunststücke ausgestellt waren, und sprachen über ihre Arbeit in einer Werkstatt in Belarus. Und sie fragte mich, was ich an der Arbeit in diesem Bereich am schwierigsten fände. Das Gefühl, dass die Zeit nie reicht, weil nie das Persos man aufgibt und aufhört, gut zu arbeiten, sagte ich. Wir schwiegen beide. Ja, sagte sie nachdenklich. Aber weißt du, dass ich zum ersten Mal hier das Gefühl habe, dass es die Leute in dieser Werkstatt, in dieser Einrichtung geschafft haben. Und dass ich jetzt weiß, dass es möglich ist das zu erhalten. Und dass es sich lohnt, sich darum zu bemühen. Dieser Satz hat alle meine Erwartungen an das Ziel dieses Austausches bei weitem übertroffen. Weil er mir das Gefühl gibt, dass wirklich etwas angefangen hat sich zu bewegen.“ Susanne Greischel (begleitendes Vereinsmitglied) „… Der Austausch machte es möglich, eine Zeitlang das Gefühl der Ausweglosigkeit aufzugeben; und gab uns wenn auch keine Hoffnung, so doch wenigstens eine Vielzahl an Anregungen für unsere Arbeit … ich möchte mich von ganzem Herzen bei den Organisatoren des Austauschs für ihren vorbildlichen Mut und ihre Geduld im Prozess der Vorbereitung und Durchführung des Austausch-Programms danken. Sie haben sehr harte Arbeit geleistet und die Ergebnisse dieser Arbeit könnten keinen der Teilnehmer gleichgültig lassen.“ Daria Eskevitsch (Defektologin, Ergotherapeutin im Behinderteninternat Novinki) „… Wichtig ist meiner Meinung nach ebenfalls, dass wir nach dem Besuch in Bremen eine neue Projektidee entwickelt haben, die wir gemeinsam mit der deutschen Organisation „Martinsclub“ realisieren möchten, welche wir während des Austauschs kennen gelernt haben. Für mich war die Idee des Martinsclubs absolut neu, eine „leichte Sprache“ (vereinfachte Sprache, die auch für Menschen mit geistigen Behinderungen verständlich ist) in einer Zeitschrift für Menschen mit Behinderungen zu benutzen, und eine zweite Version der Internetseite auf dieser Sprache zu veröffentlichen.“ Polina Galausova (Mitglied der Organisation „Raznye Ravnye“, die sich vor allem für die Integration Körperbehinderter einsetzen) „Sie tanzen im blauen Licht der Scheinwerfer. Eigentlich kann er nur im Rollstuhl sitzen. Er hat nur ein Bein. Seine Hände sitzen direkt an den Schultern. Jetzt tanzt er mit ihr. Ohne Rollstuhl. Im blauen Licht zur Unterwassermusik. Sie rollen umeinander, lassen die Arme kreisen. Sie lässt sich völlig auf ihn ein. Gemeinsame Bewegungen der sonst so verschiedenen Körper. Ich sitze im Publikum eines Tanztheaters in Bremen und bin angerührt von der Schönheit der Körper, die im Einklang miteinander sind. Neben mir sitzt Dima aus Belarus. Solchen Tanz der Gleichberechtigung der verschiedenen Körper habe ich dort nie erlebt. Dima hat auch eine körperliche Behinderung. Er sieht genauso fasziniert zu wie ich.“ Marie Hecke (begleitendes Vereinsmitglied) Ende Oktober dieses Jahres findet ein Rückaustausch statt, zu dem zehn Mitarbeiter der Bremer Behindertenorganisationen nach Belarus reisen, wo sie an einem Programm zur dortigen Behindertenarbeit teilnehmen werden. Eine Pressemitteilung zum Austausch mit dem ursprünglichen Programm finden Sie hier. Der Austausch „Andere Arbeitsweisen“ wurde vom „Kontaktprogramm Belarus“ der „Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO)“ gefördert. Der DGO (die auch eine Förderung des Rückaustauschs übernimmt) und allen Projektpartnern und Gastfamilien sei an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich gedankt! Simon Stephan

Arbeit in den Heimen für Menschen mit Behinderungen in Minsk


Etwa 20.000 Menschen mit Behinderungen und mit „dauerhaften“ psychischen Erkrankungen leben in Belarus in staatlichen Heimen mit bis zu 600 Bewohnern. Die Betreuungssituation in diesen Heimen ist teilweise sehr schwierig. Neben den Pflegekräften, welche sich neben der Durchführung der Körperpflege und der sozialen Betreuung auch um die Organisation des Stationsablaufes und um Putzen, Kochen und Waschen kümmern müssen, hierbei aber meist stark unterbesetzt sind und oft in aufreibenden 24-Stunden-Schichten arbeiten, gibt es wenn überhaupt nur wenige Pädagogen und/oder Psychologen. Insgesamt verschlechtert sich die Betreuungslage für einen Menschen mit Behinderung,  je älter er oder sie wird, da die ältesten Heimbewohner am wenigsten beachtet werden und die Betreuungsschlüssel geringer werden. Seit den neunziger Jahren arbeiten deutsche und belarussische Freiwillige in verschiedenen staatlichen Heimen für Kinder und erwachsene Menschen mit Behinderung in Minsk und unterstützen die Bewohner/Innen in ihrem Alltag. Hierbei ist die Arbeit sehr vielfältig und erstreckt sich von Spazierengehen, Spielen, Fördern über Hilfe bei pflegerischen Tätigkeiten und Erledigen von Besorgungen bis hin zur Planung und Durchführung von Ausflügen, Projekten in den Heimen und der Ferienfreizeiten. Wir unterstützen die  Freiwilligen in ihrer Arbeit  durch Betreuung und Supervision im Rahmen unseres Mentoring-Programms, durch Ausschreibung einer Kanikuli-Freiwilligen-Stelle, auf die sich belarussische Engagierte bewerben können sowie durch Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Anschaffungen und Unternehmungen.

Behindertenwerkstatt


Hier ein Bericht über die von uns finanzierte Behindertenwerkstatt im Erwachsenenheim von Novinki, welche von 2008-2010 bestand und leider wegen Problemen mit der Heimleitung geschlossen werden musste. Das Novinki-Erwachsenbehindertenheim ist ein trauriger Ort. Da gibt es geschlossene finstere Stationen, verbitterte Betreuer, Enge, Gestank und Überfüllung, Schreie, Hoffnungslosigkeit, Tod. Und dann gibt es Daschas Werkstatt, eine klassenzimmergroße Oase, eine kleine Bastion gegen den bösen grauen Heimalltag. Nachdem der Raum jahrelang als Abstellkammer diente, hat Dascha, eine ehemalige belarussische Freiwillige, die dieses Jahr ihr Psychologiestudium abgeschlossen hat, ihn in den letzten Jahren gestaltet, eingerichtet, den Leuten zugänglich gemacht. Dank der finanziellen Unterstützung durch Kanikuli konnten Teppiche, Bälle, Werkzeuge, Malsachen, Duplosteine und vieles mehr angeschafft werden, so bietet der Raum den vielen verschiedenen Menschen die unterschiedlichsten Beschäftigungsmöglichkeiten. Sobald die Werkstatt von Dascha aufgeschlossen wird, stürzen die ersten Heimbewohner herein. Mischa erbittet sich sofort großes Papier und Stifte und fabriziert tief konzentriert Kunstwerke. Andrej setzt erstmal Teewasser auf und drückt einem zur Begrüßung eine warme Tasse in die Hand. Der Autist Zhenja setzt sich auf den gelben Teppich und fängt mit den Puppen und Teddibären ein reges Gespräch an. Wie viele andere sind die drei fast täglich in der Werkstatt. Andere Heimbewohner leben auf geschlossenen Stationen ohne Ausgang, müssen unter viel Bürokratie und Mühen herausgekämpft werden. Bisweilen holt Dascha einzelne von ihnen zu sich, so entkommen sie wenigstens für wenige Stunden ihren Stationen-Gefängnissen. Das Prinzip der Werkstatt ist viel Eigenständigkeit. Dascha verteilt Materialien, gute Tipps und Aufgaben, hält sich aber sonst zurück und lässt viel künstlerische Freiheit. Streng wird sie nur, wenn es an Verteilung der Arbeiten wie Bodenputzen, Abwaschen und Füttern des Werkstattmeerschweinchens geht, solche Aufgaben werden von den regelmäßig Anwesenden abwechselnd erledigt. Ab und zu findet „Unterricht“ statt, meistens eine halbe Stunde zu einem aktuellen Stichwort. So wurde in der letzten Zeit mit den Interessierten Themen wie Liebe, Gesellschaft, Homosexualität besprochen. Der Respekt und das Interesse, das ihnen selbst und ihren Meinungen und Argumenten entgegengebracht wird, ist für die meisten der behinderten Menschen eine ungewohnte Erfahrung. Ansonsten gibt es noch Gymnastikübungen, spontanes Tanzen oder ein Nähkurs mit den Heimbewohnern, je nach Laune und Interesse. Zu besonderen Anlässen veranstalten Dascha und ihre Leute kleine Partys mit bis zu 50 Leuten, bei denen viel gegessen, getanzt, sich verkleidet, gelacht wird. Solche Abwechslungen sind sehr wichtig für die Menschen, deren Heimleben sonst so eintönig verläuft. Kanikuli unterstützt Daschas Werkstatt, indem es Materialien, Einrichtung und Spielsachen finanziert. Zudem können beispielsweise zu den Partys von Kanikuli-Geld Kekse und Obst gekauft werden. All diese Sachen könnte Dascha und die belarussische Seite alleine nicht bezahlen, weswegen das Engagement des Vereines an dieser Stelle sehr nötig und sinnvoll ist. Charlotte Sautier

Ferienfreizeit Runder See


Drei Wochen im Wald zelten, ohne sanitäre Anlagen, ohne fließend Wasser, ohne ein festes Dach überm Kopf – ein Erfolgsrezept für eine integrative Ferienfreizeit? Was erst mal unbequem klingt, kann die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sommerlagers „Runder See“ in Minsk nicht abschrecken. Im Gegenteil – seit vielen Jahren ist dieses Ferienlager, an dem junge Leute mit und ohne körperliche Behinderungen aus Belarus, Deutschland und anderen Ländern teilnehmen, ein voller Erfolg. Seit 2008 übernimmt Kanikuli e.V. ein Großteil der Kosten des Sommerlagers „Runder See“ das von unserer Partnerorganisation „Verschiedene-Gleiche“ veranstaltet wird. Lesen Sie die Berichte: → über die Neuanschaffung von Materialen dank großzügiger Finanzierung durch die Robert-Vogel-Stiftung → von Nadia aus Belarus und von Laura aus Deutschland über den Runden See 2016. О впечатлении Нади можно и читать на Русском языке. → über das Lager im Sommer 2015 → von Johanna Kerber (Lagerteilnahme 2013) → Eindrücke zweier Teilnehmer am Krugloe Osero 2012 → von Ruben Werchan (Lagerteilnahme 2011) → von Marie-France Eisner und Laura Eras (Minsk-Freiwillige 2009/2010) oder → von Hans-Ulrich Probst (Minsk-Freiwilliger 2008/2009) über ganz besondere drei Wochen im Wald. Die Projekte werden seit 2016 mit finanzieller Unterstützung der Robert-Vogel-Stiftung durchgeführt. Die Projekte wurden mit finanzieller Unterstützung von JugendHilft (Children for a better World e.V.) durchgeführt.

Fachkräfte-Austausch „Andere Arbeitsweisen“ 2009


Vom 24.November bis zum 31.November 2009 fand der zweite Teil des Austausches „Andere Arbeitsweisen“ statt. Der erste Teil des Austausches fand vom 22. November bis 6. Dezember 2008 im Raum Bremen statt. Das gemeinnützige Projekt „Andere Arbeitsweisen“ ist ein integrativer Austausch von deutschen und belarussischen Behindertenbetreuern und Menschen, die sich für die Integration von Menschen mit Behinderungen in diesen beiden Ländern einsetzen. Der Rückaustausch der Bremer nach Minsk ermöglichte deutschen Behindertenbetreuern die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen in Belarus kennenzulernen. So sollte die Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Belarus gefördert werden. Alle zehn Teilnehmer waren Mitarbeiter der schon beim ersten Teil des Austausches beteiligten Bremer Organisationen „Johannishag“, „Martinsclub“ und „Selbstbestimmt Leben“. Sie fuhren zusammen mit drei Mitglieder von Kanikuli e.V. am 24.November für eine Woche nach Minsk. Während dieser Zeit entstanden neue Bindungen zwischen den belarussischen Teilnehmenden und den besuchten Organisationen und Gastfamilien. Diese wurden nun durch den Rückaustausch vertieft werden. Ziel dieses Rückaustausches waren ähnliche Überlegungen wie die des Hinaustausches: Das Kennenlernen anderer Arbeitsweisen und die Reflexion über die eigenen Arbeitsweisen in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen war das Hauptziel. Eine bessere Einschätzung der deutschen Teilnehmenden für die belarussische Situation von Menschen mit Behinderungen und somit eine Möglichkeit zur präziseren Hilfestellung durch Erfahrung und Material sollte ebenfalls ermöglicht werden. Längerfristige Partnerschaften und auch die persönlichen Beziehungen zwischen deutschen und belarussischen Behinderteneinrichtungen und sowohl den belarussischen als auch deutschen Teilnehmern sollten entstehen bzw. vertieft werden. Auf Seite der deutschen Teilnehmenden, und das stand bei diesem Teil des Austausches besonders im Vordergrund, sollte ein größeres Bewusstsein für die die allgemeine Situation in Belarus, für Land, Leute und Kultur geschaffen werden. Dabei standen neben der größten und ältesten belarussischen Organisation für die Unterstützung von Menschen mit Behinderungen BELOI und der in ganz Belarus verbreiteten Elterninitiative BELAPDI auch der Besuch kleinerer Organisationen auf dem Programm: die Organisation Raznye-Ravnye, die sich hautsächlich für die Integration körperbehinderter Jugendlicher und junger Erwachsener einsetzt, die staatliche Wohneinrichtung „Novinki“ und die dort angrenzende von „Kanikuli“ unterstützte Kunst-Werkstatt. Daneben wurden auch ein Konzert-und Museumsbesuch und eine Stadtführung angeboten. Der Rückaustausch verlief für alle Seiten sowohl inhaltlich als auch organisatorisch höchst zufriedenstellend. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle die mit ihrer Unterstützung den Austausch ermöglicht haben: -die Partnerorganisation Raznye-Ravnye, die das Programm gestaltet und organisiert haben -an alle besuchten Einrichtungen, die uns offen Einblick in ihre Arbeit gewährt haben -an die Teilnehmer, die so interessiert, offen und kritisch hinterfragend das Programm verfolgt haben -an die deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde, die diesen Austausch finanziell ermöglicht hat -an alle Mitglieder von Kanikuli, die diesen Austausch mitgestaltet haben Ermöglicht wurde der Austausch „Andere Arbeitsweisen“ vom „Kontaktprogramm Belarus“ der „Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO)“ Vielen Herzlichen Dank im Namen aller Beteiligten an dieser Stelle! Susanne Greischel

Postkarten


Gemeinsam mit unserer langjährigen Projektpartnerin Dasha haben wir in Minsk viele Projekte realisiert. Gemeinsam organisieren wir die Ferienfreizeiten und mit unserer Unterstützung führt sie seit längerem Kunstworkshops und längere Werkstattprojekte für Menschen mit Behinderung durch. Um die Ergebnisse dieser langjährigen Arbeit in anschaulicher Form zu präsentieren, entwickelten wir gemeinsam die Idee einige Motive auf Postkarten zu drucken. Gedruckt werden zwei Tranchen. Die erste, bereits vollendete Tranche präsentiert auf sechs Motiven die Arbeit von Kanikuli e.V. bei den Ferienfreizeiten. Die Motive können Sie auf dieser Seite einsehen. Die zweite Tranche wird Motive aus der Arbeit in der Kunstwerkstatt in Minsk zeigen. Sie dient vor allem dazu, die herausragende Arbeit, die in dieser Werkstatt geleistet wurde, in Belarus bekannter zu machen. Gegen eine kleine Spende senden wir Ihnen gern einen Postkartensatz zu.

Theaterpädagogisches Projekt für Bewohner_innen staatlicher Behindertenheime in Belarus


Im Zuge der Umstrukturierung der Projekte unseres Vereins, hin zu mehr Nachhaltigkeit, findet seit November 2012 die Winterferienfreizeit und unsere Sommerferienfreizeit für die erwachsenen Bewohner_innen staatlicher Behindertenheime in Minsk in veränderter Form statt. Ziel war es, ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln, das über das bisherige Ferienprogramm hinausging, sowie die Menschen mit Behinderung aus den staatlichen Heimen über einen längeren Zeitraum hinweg konstant zu begleiten und ihnen die Möglichkeit zu geben ihre eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten im künstlerischen Projekt zu entdecken und zu entwickeln. Außerdem ist es das Ziel dieses Projekts, die Berichtererstattung über Menschen mit Behinderung in Belarus positiv zu beeinflussen und der dortigen Gesellschaft den Reichtum an kreativer Vielfalt aufzuzeigen und Berührungsängste abzubauen. Somit war das Theaterprojekt geboren. 2013 fand ein von Kanikuli e.V. geplantes und finanziertes Pilotprojekt statt. Im Rahmen dieses Projekts, nahmen ca. 10 Teilnehmende an wöchentlichen Theaterproben teil, die von ausgebildeten Fachkräften vor Ort durchgeführt wurden. Zu Beginn des Projekts stand die Winterferienfreizeit als Kick-off-Kurs und gegen Ende des Projekts, die Sommerferienfreizeit. Hier setzen sich die Teilnehmenden weiter intensiv mit Theater und Kunst auseinander. Den Abschluss des einjährigen Projekts, bildeten eine externe Aufführung des Erarbeiteten und die Dokumentation des Projekts. Berichte aus dem Theaterprojekt: – Über den ersten Intensiv-Workshop im Sommer 2013 von Lina Müller (Minskfreiwillige 2012/13)

Mentoring für Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Belarus


Kanikuli e.V. unterstützt die Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in Minsk seit September 2012 durch eine*n Mentor*in. [bild1] Alle, bei Kanikuli e.V. aktiven, ehemaligen Freiwilligen, haben ihren Friedensdienst im Rahmen des ASF Programms absolviert. Somit können sie eventuelle Probleme vor Ort gut einschätzen, besonders projektbezogene Auskünfte geben und kennen die Besonderheiten des Landes. Dies stellt einen großen Vorteil für die Freiwilligen vor Ort dar. Deshalb hat sich Kanikuli e.V. zum Ziel gesetzt die „Minsk-Freiwilligen“ während ihres Auslandsjahres zu betreuen, soweit dies von ihnen gewünscht ist. Gemeinsam mit ASF haben wir ein Mentorenprogramm ausgearbeitet. Das Mentorenprogramm beinhaltet die Begleitung der Freiwilligen bereits vor dem Freiwilligendienst, durch eine erste Kontaktaufnahme, dann, wenn möglich und einer Einheit der*s Mentors*in während der Vorbereitungswoche von ASF in Berlin. Unsere Mentor*in reist anschließend mit den neuen Freiwilligen nach Minsk und unterstützt sie in der ersten Woche beim Einleben, dem Kennenlernen der Projekte, sowie bei offiziellen Behördengängen. Gerade letzteres ist eine große Hilfe für die neuen Freiwilligen, da sie meist gar kein, oder nur sehr wenig Russisch sprechen. [bild2] Während des Freiwilligendienstes steht der*die Mentor*in in ständigem Kontakt zu den Freiwilligen, sowie zu ASF und nimmt auch an dem ersten Seminar in Minsk, im November teil. Im späteren Verlauf, unterstützt der*die Mentor*in die Freiwilligen bei der Planung der Sommerferienfreizeiten, welche jedes Jahr von Kanikuli e.V. finanziert und von den Freiwilligen vor Ort durchgeführt werden. [bild3] Der*die Mentor*in steht selbst in einem positiven Verhältnis zu ASF und ist in keiner Weise eine Ersetzung des*der Länderbeauftragter*in, sondern eine spezielle Unterstützung für die Minsk-Freiwilligen. Während des Länderseminars im November, ist der*die Kanikuli-Mentor*in jedoch gleichermaßen für alle Freiwilligen (Ukraine und Belarus) Ansprechpartner*in. Das Mentorenprogramm ist in diesem Model bereits 2012/2013 von Johanna Kerber durchgeführt worden.

Gewöhnliche Eltern – Eine Selbsthilfegruppe junger Eltern mit Behinderungen


Als Olga auf dem Runden See im Jahr 2012 auf Polina und Wadim von »Verschiedene-Gleiche« zuging und ihre Idee unterbreitete, war noch nicht absehbar, dass daraus so schnell ein durchführbares Projekt werden würde. Olga wohnt mit ihrem dreijährigen Sohn Pascha in Witebsk, einer Stadt im Osten Belarus, bekannt als der Geburtsort von Marc Chagall. Durch ihre Gehbehinderung trifft sie in ihrem Leben immer wieder auf Barrieren und muss sich zudem regelmäßig für ihre Mutterschaft rechtfertigen. Sie ist jedoch nicht alleine in dieser Situation und entschied sich daher, »Verschiedene-Gleiche« um Hilfe bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe zu bitten. Dort lief sie offene Türen ein, die Mitglieder und Assoziierten von »Verschiedene-Gleiche« waren älter geworden, viele bekamen Kinder oder wollten welche bekommen und trafen auf neue Probleme: Eigene Ängste, medizinische Überforderung von Ärzten und Hebammen, Akzeptanzprobleme in der Gesellschaft, Barrierefreiheit in Kindergärten und Schulen, innerfamiliäre Probleme und vieles mehr. Für eine Entwicklung in diese neue Richtung, setzte sich »Verschiedene-Gleiche« mit »SelbstBestimmt Leben Bremen« und »Kanikuli« in Verbindung, sodass wir zu dritt ein Projekt ausarbeiteten. Das Konzept für »Gewöhnliche Eltern« nahm Form an und erhielt im Mai 2013 von »Aktion Mensch« den Zuschlag über eineinhalb Jahre gefördert zu werden. In diesem Rahmen werden wir verschiedene Aktionen durchführen: – Eine Vorbereitungsfahrt von »Verschiedene-Gleiche« zu verschiedenen norddeutschen Behindertenverbänden vom 24. bis 29. September 2013 – Außer »SelbstBestimmt Leben Bremen« treffen wir auch den »Bund Behinderter Eltern« in Hannover und die Müttergruppe »MCourage« in Hamburg; – Vier Wochenendseminare in Belarus zur Aktivierung und Entwicklung junger Eltern mit Behinderungen; – Ein Veranstaltungszyklus zur Förderung der Selbstorganisation junger Eltern mit Behinderungen mit dem Ziel der Gründung des Selbsthilfe-Klubs; – Veranstaltungen im Rahmen des Selbsthilfe-Klubs gemeinsam mit den jungen Eltern; – Ein fünftägiges Seminar für junge Eltern mit Behinderungen und ihre Kinder mit der estnischen Organisation zu innerfamiliärer Kommunikation »Akademie der Kindheit«; – Öffentliche Kulturveranstaltungen in Witebsk, die zur Überwindung der Exklusion junger Eltern mit Behinderungen aus der Gesellschaft beitragen sollen; Update 20. September 2015: Wir freuen uns über erfolgreich beantragte zusätzliche Förderung für den geplanten Abschluss des Projekts: Im Sommer 2015 erhielten die Gewöhnlichen Eltern eine Förderzusage von Erasmus+. Damit kann die in Witbesk versammelte Selbsthilfegruppe zwei Reisen unternehmen. Die erste Reise führt auf ein Seminar in die estnische Hauptstadt Tallinn, wo die Partnerorganisation »Akademie der Kindheit« ein Seminar zur Selbstorganisation und barrierefreien Kindergärten anbietet. Den Projektabschluss bildet eine zweite Reise mit insgesamt 7 Teilnehmenden und ihren Kindern nach Deutschland. In Bremen, Hamburg und Hannover wird sich die gesamte Gruppe mit den Selbsthilfegruppen SelbstBestimmt Leben Bremen, MCourage und dem BBE treffen. Diese Aktivitäten werden auch dabei helfen, eine Bewusstsein und eine gemeinsame Position von Eltern mit Behinderung in Belarus herauszuarbeiten und zu verschriftlichen. So eine Position kann sowohl eine Hilfe für andere Eltern mit Behinderung sein und anderen Menschen mit Behinderungen die Angst vor der Elternschaft nehmen, ebenso aber auch als Anregung für regionale Sozialzentren und die Politik dienen. Durch diese Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit hoffen wir eine langfristige Veränderung der Lebenssituation junger Eltern mit Behinderung in Belarus zu erreichen. Die Ansprechpartner für zusätzliche Informationen sind: Arkadi, Daniel und Ruben eltern@kanikuli-ev.de Berichte über das Projekt: Bericht über das zweite Seminar von Ruben Interview mit Olga Fateeva, Teilnehmerin der Projektreise nach Bremen Интервю с Ольгой Фатеевей, участница путешествии в Бремен Projektreise nach Bremen, Hamburg und Hannover im September 2013 Projektreise nach Bremen (Pressebericht)