Runder See 2019

von Svetlana Matiuk

Das Sommerlager ist wie ein kleines Leben… Alles, was hier passiert war, war besonders und einzigartig. Alle Emotionen und Gefühle waren echt. Alle Tage waren so intensiv, dass ich in diesen 10 Tagen genau so viel erlebte, wie in den 4 Jahren meines Studiums. Es hat mir gut gefallen, an dem inklusiven Zeltlager „Runder See“ teilzunehmen. Hier fand Aktivierung und Integration junger Menschen statt. Hier verändern sich Menschen.

Die Zeit im Sommerlager ist nicht nur Erholung, sondern auch unterschiedliche pädagogische Spiele, die viele Lebenssituationen, Meinungen und Assoziationen der Menschen widerspiegeln. Wir nahmen an verschiedenen pädagogischen Veranstaltungen teil und verbrachten unsere Zeit mit Spaß und Nutzen. Wir haben gelernt, in einem Team zu arbeiten, in dem jeder Mensch wichtig ist. Wir haben Rollen ausprobiert und erlebt, wie Vorurteile funktionieren. Wir versuchten, in  Situationen richtige Entscheidungen zu treffen. Wir waren ganz oben und ganz unten im wörtlichen und übertragenen Sinne. Intensive Zusammenarbeit bei den pädagogischen Aktivitäten hat uns geholfen, die anderen und uns selbst besser zu verstehen. 

Wir haben in einem Wald gewohnt. Das war sehr spannend. Wir konnten Beeren und Pilze sammeln und die Natur genießen, uns damit heilen. Wir haben in Zelten geschlafen. Ich habe nie gefroren, obwohl es draußen überwiegend kalt war. (Es gibt aber kein schlechtes Wetter) Es war ungewöhnlich, sich im kalten Wasser zu waschen. Ich fand es spannend und bin nicht krank geworden. Mein Immunsystem ist nur stärker geworden. Wir erfüllten unterschiedliche Aufgaben und hörten einander zu. Wir wollten etwas Neues erleben und lernen, daran konnte uns kein Regen hindern. Als es regnete, wechselten wir in das große Zelt und bewegten uns weiter zum Ziel. Mir blieb das Essen in Erinnerung, das die Freiwilligen am Feuer gekocht hatten. Es war immer lecker und reichte für alle. Jeden Tag gab es andere Gerichte. Vielen Dank für den unglaublichen Tee, der mit Liebe und nicht nur gekocht wurde.

Es wurden wunderschöne Lieder am Lagerfeuer gesungen. Egal wie stimmig es war, es wurde trotzdem eine schöne Atmosphäre geschaffen. An diesem Ort haben sich unsere Seelen geöffnet. Hier versucht man alles zu machen und hat keine Angst, dass etwas nicht klappt. Man weiß, man sammelt Erfahrungen. Jeder Mensch im Sommerlager war wichtig. Alle zusammen und jeder einzelne waren besonders und werden in Erinnerung bleiben.

Dank dem Sommerlager versteht man, dass man sein Leben noch besser gestalten kann. Wir haben uns hier nie gelangweilt und jeden Tag neue Aufgaben und Emotionen erlebt. Wir hörten und sahen Meinungen unterschiedlicher Menschen. Ich bin allen Menschen dankbar, die mich beeinflusst haben.

In der Zeit im Sommerlager wurde ich von unterschiedlichen Menschen umgeben, von wunderbaren Teilnehmenden, von fantastischen Freiwilligen und guten Trainer*innen. Ich erlebte unvergessliche Gefühle, als ich diese viele Menschen kennen gelernt und viel Interessantes erfahren hatte. Während der Interaktion mit diesen Menschen spürte ich Veränderungen in mir und meinen Sichtweisen. Junge Männer und Frauen mit und ohne Behinderung wohnten zusammen und nahmen an den Veranstaltungen teil. Wir wuchsen zusammen und es spielte keine Rolle mehr, dass wir alle so unterschiedlich sind. Obwohl wir alle unterschiedlich waren, waren wir alle gleich.

Dank den unterschiedlichen pädagogischen Veranstaltungen, die die Trainer*innen durchführten, änderten sich meine Gedanken und Sichtweisen. Unsere Lehrenden waren auf gleicher Augenhöhe mit uns und wir hatten wunderschöne Beziehungen zu ihnen. Ich bin ihnen dankbar, dass sie für uns ein vielfältiges Programm vorbereitet haben. Es gab jedes Mal etwas Neues, Aufschlussreiches und Interessantes. Jeden Tag konnten wir über unseren Tag reflektieren. Sie hörten uns zu und versuchten, jeden zu verstehen und zu spüren. Alle Teilnehmenden erzählten, was sie gelernt hatten und zu welchen Ergebnissen sie gekommen waren. Oft waren unsere Tage so erlebnisreich, dass wir nicht alles erwähnen konnten, was mit uns passiert war. Wir entfalteten uns und entdeckten neue Talente. Wir hatten auch Zeit um den Wald zu fühlen.

Im Zeltlager „Runder See“ sind wir uns nah gekommen. Es war wunderschön, in einem Wald am See zu wohnen, beim Bildungsprogramm etwas Neues zu lernen, in der Nacht vom Steg die Sterne zu beobachten und uns einfach mit der ganzen Seele zu erholen. Es herrschte eine gemütliche und magische Atmosphäre. Wir haben viele Eindrücke bekommen und erinnern uns mit Freude daran. Jeden Tag integrierte ich mich immer mehr und zum Schluss kam ich im Zeltlager richtig an, so dass ich gar nicht mehr zurückfahren wollte. Ich habe nur positive Eindrücke von dem allen, was passiert ist. Ich bin dankbar für alles. Es ist richtig viel passiert. Man kann es nicht einfach beschreiben…

Der Zeltlager ist ein eigener Lebensabschnitt, der für immer in meinem Herzen bleibt.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Eindrücke vom Runden See 2018

von Flora Fuchs

Pünktlich zum Ende eines langen Sommers, in dem in Belarus wieder viele Freizeiten und Projekte durchgeführt wurden, berichtet Flora vom Runden See. Als neues Mitglied bei Kanikuli hat Flora sich im Frühjahr entschieden, zur inklusiven Sommerfreizeit von Raznye-Ravnye zu reisen und gibt hier einen kleinen Einblick:

„Dieses Jahr stand das alljährliche Treffen „Krugloje Ozero“ (Runder See) unter einem ganz besonderen Motto. Das inklusive Sommerlager, veranstaltet und organisiert durch die belarusische Organisation Raznye-Ravnye, feierte sein 20-jähriges Bestehen!

Fünf Tage vor dem Beginn des Zeltlagers trafen sich in Minsk dreizehn motivierte junge Erwachsene und die beiden Organisator*innen von Raznye-Ravnye, Vadim und Polina, um drei Busse mit allerlei Materialen, Werkzeugen und Lebensmitteln für den Runden See zu beladen. Vollgepackt bis unters Dach ging es dann in das knapp 65km entfernte Akalova.

Jeder Tag der Aufbauwoche begann früh um 8 Uhr und endete um 21 Uhr. In abwechselnden Kleingruppen wurde eine Toilette errichtet, die auch barrierefrei zugänglich war, eine Banja (Sauna) gebaut und sehr viel Krach gemacht. In der Banja konnten wir nach 4 harten Tagen des Aufbaus zum ersten Mal gemeinsam entspannen. Ging man nach dem Schwitzen schwimmen, konnte man mit viel Glück Sternschnuppen vom Himmel fallen sehen.

Als die Busse mit den Teilnehmer*innen im Lager eintrafen, herrschte große Wiedersehensfreude und Aufbaustress. So wie die Zelte, konnten auch Isomatten und Schlafsäcke geliehen werden, welche wiederum dank großzügiger Spenden neu angeschafft werden konnten. Im Anschluss fand das erste gemeinsame Mittagessen statt und Vadim, der Organisator des Lagers, klärte alle über das anstehende Programm und die notwendigen Verhaltensregeln auf.

Das diesjährige Lager widmete sich der thematischen Aufarbeitung und kritischen Reflexion von Diskriminierung. Was ist Diskriminierung? Wo fängt Diskriminierung an? Was unterscheidet Diskriminierung von Ausgrenzung? Wo sehe ich mich im Alltag von Diskriminierung bedroht? Und was kann ich gegen Diskriminierung machen? Um all diese Fragen Stück für Stück zu beleuchten und uns gegenseitig im Kampf gegen Diskriminierung zu stärken, haben wir jeden Tag der zehntägigen Freizeit Gruppenspiele gespielt, die unser gegenseitiges Vertrauen stärken und unsere Kommunikation fördern. So wurden in einzelnen Spielen deutlich, dass wir vereint als Team von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in Kooperation miteinander ans Ziel kommen.

Es gab sehr unterschiedliche Gründe für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer, aber auch Freiwillige*n an diesem Lager teilzunehmen und so kam es vor, dass manche früher abreisten oder einige Emotionen soweit hochkochten, dass geweint wurde. Aber alle fanden in dieser gemeinsamen Zeit Freunde die füreinander einstanden, die einander halfen und mit denen man am allabendlichen Lagerfeuer Lieder sang.

Das inklusive Sommerlager „Runder See“ ist ein gelungenes Beispiel für Inklusion und Empowerment. Alle Beteiligten, egal ob Freiwillige oder teilnehmende Personen, haben in dieser doch recht kurzen Zeit viel über sich selbst und ihre Gegenüber gelernt. Mit viel Reflexion und kritischer Auseinandersetzung ist wieder einmal ein ganz besonderes Lager zu Ende gegangen, auf das sich viele im nächsten Jahr freuen.“

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.