Runder See 2020

Erfahrungsbericht von Juliana Pavlovets

Die zehn Tage, die ich im integrativen Zeltlager „Runder See“ verbracht habe, haben meine Weltsicht und mein Bewusstsein stark verändert. Ich fange damit an, dass ich von der Freizeit völlig zufällig erfahren habe – ich habe in einem Telegram-Kanal eine Anzeige gesehen, dass nach Teilnehmer*innen gesucht wird. Diese Anzeige hat mich sehr interessiert, aber bevor ich die Anmeldung ausfüllte, entschied ich, mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Mich hat sehr gefreut, dass das Zeltlager seit 1999 stattfindet. Außerdem erfuhr ich, dass das Seminarprogramm sehr intensiv ist und es keine Zeit zum Ausspannen gibt. Das heißt, wenn du Lust auf vielfältige, kreative und ungewöhnliche Aufgaben und Methoden hast, dann solltest du teilnehmen. Die Themen der Veranstaltungen werden Personen sehr nutzen, die lernen möchten, erfolgreich mit anderen zu interagieren. Hier erfährst du, was gewaltfreie Kommunikation ist und was es bedeutet, sich Ziele zu setzen, du verstehst, warum es wichtig ist, dich aktiv zu positionieren, lernst effektive Teambildung und erlebst Verantwortung und Achtsamkeit.

Wenn du bis hierhin gelesen und das Gefühl hast hast, dass das in deinem Leben fehlt und dass du dazu bereit bist, hier einzutauchen, dann habe ich ein paar Tips, wie du dir die Zeit im Zeltlager möglichst angenehm machst (wenn du zum ersten mal in ein Zeltlager fährst, dann wird das sehr nützlich sein):

  1. Einen Platz im Zelt, Schlafsack und Isomatte stellen dir die Organisator*innen, aber wenn du irgendwas davon besitzt, empfehle ich dir, es mitzubringen – im Wald ist kein Schlafsack und keine Isomatte zu viel (nach genau zwei Nächten haben meine Nachbarin und ich noch zwei zusätzliche Schlafsäcke genommen, weil es im Wald nachts sehr kalt ist) 🙂
  2. Falls du denkst, dass es eine dumme Idee ist, im Sommer warme Socken einzupacken, dann mach es nicht wie ich und nimm mehrere Paare mit – du wirst es nicht bereuen. 🙂 Und anstatt weiterer Shorts nimm lieber einen warmen Pullover mit.
  3. Stelle dir außerdem eine verantwortungsbewusste Hausapotheke zusammen. Statt Creme gegen Sonnenbrand nimm lieber ein Halsspray und Nasentropfen mit. Wenn du, wie ich, im normalen Leben Pulver wie „Teraflu“ mit Verachtung behandelst, so rate ich dir für das Zeltlager trotzdem, solche Hilfsmittel einzupacken. Bei Halsschmerzen kann man mit dem Tee gurgeln, den es immer zum Frühstück, Mittagessen und Abendessen gibt.

Übrigens, was das Essen angeht: Wenn du nicht wählerisch bist, dann wirst du ganz sicher nicht hungrig bleiben. Das Essen im Zeltager ist lecker, es gibt viel und manchmal sehr ungewöhnliche Gerichte. Außerdem werden Vegetarier*innen berücksichtigt, du brauchst dir also keine Sorgen machen, wenn du kein Fleisch isst.

Seelisch solltest du dich darauf vorbereiten, dass du sehr wenig freie Zeit zur Verfügung haben wirst. Aber wenn du eine Lerche bist, dann kannst du ein vor dem Frühstück ein paar Stunden abzweigen und wenn du eine Eule bist, dann nach dem Abendprogramm.

Ich bin beispielsweise zwischen 6 und 6.30 aufgewacht (egal, wann ich abends schlafen gegangen bin). Die freien Stunden habe ich dazu genutzt, über die Blaubeeren herzufallen, die direkt nebenan wachsen (wahrscheinlich sind es die besten Blaubeeren auf der Welt :)). Wenn du kein Blaubeerfan bist, dann kannst du morgens Gymnastik machen, duschen (solange es an der Dusche noch keine Warteschlange gibt) oder auf dem Steg meditieren. Und abends kannst du am Lagerfeuer sitzen, zur Gitarre Lieder singen, Spiele spielen oder über spannende Themen diskutieren.

Abschließend möchte ich sagen, dass dies psychologisch und intellektuell die aktivste Zeit meines Lebens war. Ich habe die komplette Bandbreite an Emotionen erlebt – von Empörung bis hin zu hemmungsloser Freude und Euphorie. Das einzigartige Bildungsprogramm hat alle meine Denkmuster erschüttert und ich habe täglich neue Einblicke erhalten. Diese Erfahrung war unglaublich und ich möchte sie wiederholen und die Veränderungen in mir festigen, die ich dort erfahren habe. Diese ungewöhnliche Ferienfreizeit erweitert die Komfortzone jeder Person, der nicht alles egal ist.

Außerdem bin ich dafür dankbar, dass ich wunderbare und inspirierende Menschen kennengelernt habe. Das Zeltlager „Runder See“ ist ein Ort für Menschen, die nach persönlichem Wachstum und innerem Wandel streben.



„Das Camp gibt einen Schub für Aktivität und Entwicklung.“
Was der „Runde See“ ist und warum es sich für Menschen mit Behinderung lohnt dorthin zu gehen

Hier ist der Link zum russischen Originalartikel

Datum: Donnerstag, 24. September, Verfasserin: Alexandra Kamko

Im Sommer für zehn Tage in den Wald zu gehen, um sich von der Routine abzulenken  und die eigenen vier Wände zu verlassen, ist eine gute Gelegenheit, welche die Organisation „Raznye-Ravnye“ („Verschiedene-Gleiche“) Menschen mit Behinderung bietet. Aber das ist lange nicht alles, was das Zeltlager und Integrations-Seminar „Runder See“ im Sommer zu bieten hat: neben Erholung und fröhlicher Gesellschaft durchlaufen die Teilnehmenden ein Bildungsprogramm, lernen in verschiedenen Situationen miteinander zu interagieren und andere zu akzeptieren, wie sie sind, ohne Konventionen und soziale Vorbehalte.

Die Hauptaufgabe ist es seine Komfortzone zu verlassen

Der „Runde See“ kann sicher als eine kleine Waldgemeinde bezeichnet werden, die nach ihren eigenen Gesetzen und Regeln lebt. Im Wald angelangt, wo vor der Ankunft der Teilnehmenden die Zelte, ausgestattet mit Küche, Speisesaal und improvisierter „Banja“ (Dampfbad), aufgestellt werden ist es schwer vorstellbar, dass es irgendwo außerhalb der Grenzen eine Zivilisation gibt. Das Camp „Runder See“ ist eine separate kleine Welt in der es schwierig ist, mit seiner Weltanschauung anzukommen und sie im Verlauf der folgenden zehn Tage nie zu hinterfragen und anzuzweifeln: Während der Workshops und im freien Umgang mit Menschen, mit denen einen vor ein paar Tagen absolut nichts verband, veranlasst einen etwas, bestimmte Aspekte des Lebens zu reflektieren und zu überdenken.

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Im Allgemeinen besteht eines der Hauptziele des „Runden Sees“ darin, Menschen mit Behinderung mehr Raum für Interaktion und Kommunikation zu geben, die Komfortzone etwas zu erweitern und einige Grenzen der Wahrnehmung zu überprüfen.
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Jede*r sollte Bewusstsein lernen, die Verteidigung seines Standpunkts, die Freiheit der eigenen Entscheidung. Und das Camp bietet diese Möglichkeit nicht nur aufgrund des engen Zusammenwirkens in einem großen Personenkreis, sondern auch unterstützt durch ein Bildungsprogramm.

Das Hauptthema des „Runden Sees 2020“ war die Annahme einer aktiven Haltung. Oft sind Menschen mit Behinderungen damit konfrontiert, dass die Wahl einer passiven Lebensweise unnötige Bewegungen erspart und die Entscheidungsfindung insgesamt erleichtert, da sie von anderen akzeptiert werden. Dann stellt sich die Frage der Verantwortung und der Bereitschaft, diese zu übernehmen. Das Format des „Runden Sees“ umfasst nicht nur die Bereitstellung des theoretischen Inputs: im Wald werden spontane Situationen geschaffen, in denen wir mit Ängsten und Komplexen konfrontiert werden und uns in Achtsamkeit üben.

Lebenserfahrung „Wald“

Zehn Tage lang durchlaufen die Teilnehmenden verschiedene Methoden, die auf die Bewältigung von Barrieren und Ängsten ausgerichtet sind. Das Bildungsprogramm „Runder See“ ist in beide Richtungen orientiert: Es zielt auf die soziale Anpassung von Menschen mit Behinderung und die Entwicklung von Empathie bei Menschen ohne Beeinträchtigungen ab. Vladimir Grabenets, Camp-Trainer und einer der Ersteller des Programms, sagt, dass die Methoden für alle Teilnehmenden des Camps nützlich sind: „Das Bildungsprogramm ist für beide Seiten konzipiert – sowohl für Menschen mit Beeinträchtigung als auch für diejenigen, die keine Beeinträchtigung haben.

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Menschen mit Beeinträchtigung sammeln die Erfahrung, in einer neutralen Umgebung mit verschiedenen Menschen zu in Kontakt zu treten, ihre Komfortzone zu verlassen und sich an Aktivitäten zu beteiligen.
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Die Teilnehmenden des Camps ohne Beeinträchtigung, sammeln Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung und lernen, sich in gewissen Situationen anders zu verhalten. Schließlich fangen sie an zu fühlen, dass Menschen mit Beeinträchtigung von Natur aus gleich sind wie sie – und hier werden Stereotypen zerstört, die Grenzen der Wahrnehmung verschwimmen leicht.“

Im Allgemeinen ist es interessant, wie viel von den beim „Runden See“ gewonnen Erfahrungen in das wirkliche Leben integriert werden kann. Natürlich entstehen beim Durchlaufen der Methode kapselartige und übertrieben Bedingungen. Zum Beispiel wurden die Teilnehmenden in Teams eingeteilt, strenge Regeln aufgestellt, zeitliche Einschränkungen gegeben.

„Es scheint mir, dass jene zehn Tage, die wir im Wald verbracht haben und welche in den aktiven Bildungsprozess involviert sind, eine Art Input sind. Wir säen in den Köpfen der Teilnehmenden sozusagen „Samenkörner“ und im Anschluss des Projekts wird es die Aufgabe von jeder*m sein, etwas in uns selbst zu entwickeln, oder eben nicht“, sagt Vladimir.

„Mit diesen Gefühlen kann man lernen zu leben“

Der auffälligste Aspekt des „Runden Sees“ ist das Verschwimmen sozialer Barrieren. Die enge Interaktion von absolut verschiedenen Personen führt dazu, dass die Merkmale in einem bestimmten Moment nicht mehr wahrnehmbar sind.

Tamara Voronko fuhr zum ersten Mal zum Sommerlager der Organisation „Raznye-Ravnye“. Und eines der Ziele der Reise war der Kontakt mit Menschen mit Behinderung: „Ich wollte eine andere Seite von mir entdecken, mich der Interaktion mit Menschen, die mir nicht ähnlich sind, stellen. Generell denke ich, dass der „Runde See“ für diejenigen, die keine Beeinträchtigungen haben, weitaus nützlicher ist: man lernt zu erkennen und wahrzunehmen. In einigen Situationen haben wir bestimmte Gefühle erlebt, und mit diesen Empfindungen kann man lernen zu leben. Du bist dir selbst begegnet und das nächste Mal wirst du wissen, wie du unter diesen oder jenen Umständen reagieren kannst.“


Im Rahmen des Seminarcamps sprechen wir über die Hindernisse, die die Interaktion junger Menschen mit und ohne Beeinträchtigung erschweren, überprüfen für uns die Arbeit der informellen Bildung, enthüllen die Geheimnisse der Teamarbeit und der effektiven Kommunikation.

Wir verstehen, wie passives Verhalten die Lebensqualität eines Menschen beeinflusst und warum es wichtig ist, aktiv zu sein.  Das Bildungsprogramm des Camps „Runder See“ beinhaltet Gruppentrainings, Diskussionen, Rollenspiele, Simulationen, Forumtheater und vieles mehr.

Im Camp „Runder See“ kann man lernen:

  • Menschen so zu akzeptieren, wie Sie sind, Vorurteile und Konventionen zu vermeiden
  • Das Potential jeder Person während der Teamarbeit zu maximieren
  • Entscheidungen zu treffen und die Konsequenzen seiner Handlungen zu erkennen
  • Konfliktsituationen zu lösen, indem man sie in eine neue nützliche Erfahrung verwandelt
  • Seine Meinung zu äußern und offen die Initiative zu ergreifen
  • Seine Freizeit selbst zu organisieren

Menschen mit Behinderung beim „Runden See“ fühlen sich entspannt, weil sich im Laufe der Jahre nicht nur eine eigene Gruppe, sondern auch ein angenehmes Mikroklima gebildet hat.

Alexander Klevez fährt seit 2012 ins Sommerlager, mit zwei Pausen. Alexander sagt, dass jede Reise zum „Runden See“ eine neue Erfahrung bietet – manchmal gut, manchmal schlecht – die es im Allgemeinen ermöglicht, sich in verschiedene Richtungen zu entwickeln und persönlich zu wachsen: „Natürlich, ich gehe ins Lager, um neuen Leuten zu begegnen, aber das war nur eine Art Ausgangspunkt für weitere Erkenntnisse. Der erste „Runde See“ gibt Impulse für Aktivität und Entwicklung. Nach meiner ersten Reise im Jahr 2012 verbrachte ich einen ereignisreichen Sommer. Wir sind in die Ukraine gefahren, dann nach Ungarn. Wir begannen verschiedenen Seminare und Treffen zu besuchen. Ich selbst spürte, wie schnell ich begann meine Komfortzone zu verlassen.“

P. S. Bei der Fahrt ins Lager „Runder See“ geht es um soziale Anpassung und Kontakt ohne Konventionen. Weiter gefasst geht es um die Bewältigung von Ängsten, die in verschiedenen Lebensphasen auftreten, und dabei nicht immer um Behinderung. Das zehntägige Sommerlager bietet die wirklich seltene Gelegenheit, vertrauter Umgebung und Umfeld zu entfliehen, um sich vom Gedankengut zu abstrahieren, das nicht immer gerechtfertigt ist, aber in der Alltagsperspektive relevant scheint.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Unter dem Zeichen des Regens und des Bibers: Die Freizeit für Erwachsene 2019

von… einer Teilnehmenden Person

Die Ferienfreizeiten im Herbst haben ihren eigenen Charm: das Gold der Blätter, der Panoramablick und eine Menge Magie. Ja, und natürlich Regen, der oft die Pläne verändert.

Man kann aber zu Hause bleiben und Blinis (Pfannkuchen) backen, ganz viele Blinis. Das haben wir auch gemacht. Außer Blinis haben wir eine Torte und Hafermuffins gebacken, Spaghetti mit Rosmarin, Borschtsch und viele andere leckere Sachen zubereitet.

Wir wollten uns so gerne den Biberdamm anschauen. Wegen dem Regen mussten wir aber zu Hause bleiben und erkundigten uns theoretisch über das Leben der Biber. Wir zeichneten ein Biberhaus und die Biber selbst. Wir dachten uns eine Geschichte aus und schauten einen Trickfilm, der aber nicht besonders spannend war.

Wir lernten viel darüber, wie viel Müll es auf unserem Planeten gibt, und sammelten ein bisschen Plastik im Wald. (Unser Wald ist ziemlich sauber.) Wir haben erfahren, wenn Plastik ins Wasser kommt, ist es sehr schlecht.

Als wir auf einem der Spaziergänge waren, bestiegen wir einen Berg. Genauer gesagt, viele von uns haben den steilen Aufstieg geschafft. Auf diese Weise lernten wir Bergsteigen kennen. 

Wir lernten, dass man im Laden keine Plastiktüten nehmen sollte und es besser ist, wenn man stattdessen Stofftaschen nutzt. Aus diesem Grund nähten wir zusammen eine große Einkaufstasche. Einige von uns lernten nähen oder versuchten zum ersten Mal, eine Nähmaschine zu bedienen. Wir nähten noch zwei Kissen.

Wir machten auch einen botanischen Spaziergang und lernten Drosselbeere, Spindelsträucher, Eberesche und wilde Astern, Pappel und pappelartige Akazie zu unterscheiden.

Wir sammelten auch Hagebutte und machten Ketten daraus. Aus der Paprika, die wir im Treibhaus sammelten, machten wir auch Ketten.

Wir tanzten orientalische Tänze, machten aber morgens nicht immer Sport.

Und noch machten wir Masken aus Stroh und bastelten Waldgeister. Dazu haben wir eine Foto-Geschichte gemacht, die Sie sich anschauen können. Vielleicht ist sie etwas düster, aber der Herbst ist auch manchmal düster. 

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen der Ferienfreizeit, insbesondere an Aleksandra.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Runder See 2019

von Svetlana Matiuk

Das Sommerlager ist wie ein kleines Leben… Alles, was hier passiert war, war besonders und einzigartig. Alle Emotionen und Gefühle waren echt. Alle Tage waren so intensiv, dass ich in diesen 10 Tagen genau so viel erlebte, wie in den 4 Jahren meines Studiums. Es hat mir gut gefallen, an dem inklusiven Zeltlager „Runder See“ teilzunehmen. Hier fand Aktivierung und Integration junger Menschen statt. Hier verändern sich Menschen.

Die Zeit im Sommerlager ist nicht nur Erholung, sondern auch unterschiedliche pädagogische Spiele, die viele Lebenssituationen, Meinungen und Assoziationen der Menschen widerspiegeln. Wir nahmen an verschiedenen pädagogischen Veranstaltungen teil und verbrachten unsere Zeit mit Spaß und Nutzen. Wir haben gelernt, in einem Team zu arbeiten, in dem jeder Mensch wichtig ist. Wir haben Rollen ausprobiert und erlebt, wie Vorurteile funktionieren. Wir versuchten, in  Situationen richtige Entscheidungen zu treffen. Wir waren ganz oben und ganz unten im wörtlichen und übertragenen Sinne. Intensive Zusammenarbeit bei den pädagogischen Aktivitäten hat uns geholfen, die anderen und uns selbst besser zu verstehen. 

Wir haben in einem Wald gewohnt. Das war sehr spannend. Wir konnten Beeren und Pilze sammeln und die Natur genießen, uns damit heilen. Wir haben in Zelten geschlafen. Ich habe nie gefroren, obwohl es draußen überwiegend kalt war. (Es gibt aber kein schlechtes Wetter) Es war ungewöhnlich, sich im kalten Wasser zu waschen. Ich fand es spannend und bin nicht krank geworden. Mein Immunsystem ist nur stärker geworden. Wir erfüllten unterschiedliche Aufgaben und hörten einander zu. Wir wollten etwas Neues erleben und lernen, daran konnte uns kein Regen hindern. Als es regnete, wechselten wir in das große Zelt und bewegten uns weiter zum Ziel. Mir blieb das Essen in Erinnerung, das die Freiwilligen am Feuer gekocht hatten. Es war immer lecker und reichte für alle. Jeden Tag gab es andere Gerichte. Vielen Dank für den unglaublichen Tee, der mit Liebe und nicht nur gekocht wurde.

Es wurden wunderschöne Lieder am Lagerfeuer gesungen. Egal wie stimmig es war, es wurde trotzdem eine schöne Atmosphäre geschaffen. An diesem Ort haben sich unsere Seelen geöffnet. Hier versucht man alles zu machen und hat keine Angst, dass etwas nicht klappt. Man weiß, man sammelt Erfahrungen. Jeder Mensch im Sommerlager war wichtig. Alle zusammen und jeder einzelne waren besonders und werden in Erinnerung bleiben.

Dank dem Sommerlager versteht man, dass man sein Leben noch besser gestalten kann. Wir haben uns hier nie gelangweilt und jeden Tag neue Aufgaben und Emotionen erlebt. Wir hörten und sahen Meinungen unterschiedlicher Menschen. Ich bin allen Menschen dankbar, die mich beeinflusst haben.

In der Zeit im Sommerlager wurde ich von unterschiedlichen Menschen umgeben, von wunderbaren Teilnehmenden, von fantastischen Freiwilligen und guten Trainer*innen. Ich erlebte unvergessliche Gefühle, als ich diese viele Menschen kennen gelernt und viel Interessantes erfahren hatte. Während der Interaktion mit diesen Menschen spürte ich Veränderungen in mir und meinen Sichtweisen. Junge Männer und Frauen mit und ohne Behinderung wohnten zusammen und nahmen an den Veranstaltungen teil. Wir wuchsen zusammen und es spielte keine Rolle mehr, dass wir alle so unterschiedlich sind. Obwohl wir alle unterschiedlich waren, waren wir alle gleich.

Dank den unterschiedlichen pädagogischen Veranstaltungen, die die Trainer*innen durchführten, änderten sich meine Gedanken und Sichtweisen. Unsere Lehrenden waren auf gleicher Augenhöhe mit uns und wir hatten wunderschöne Beziehungen zu ihnen. Ich bin ihnen dankbar, dass sie für uns ein vielfältiges Programm vorbereitet haben. Es gab jedes Mal etwas Neues, Aufschlussreiches und Interessantes. Jeden Tag konnten wir über unseren Tag reflektieren. Sie hörten uns zu und versuchten, jeden zu verstehen und zu spüren. Alle Teilnehmenden erzählten, was sie gelernt hatten und zu welchen Ergebnissen sie gekommen waren. Oft waren unsere Tage so erlebnisreich, dass wir nicht alles erwähnen konnten, was mit uns passiert war. Wir entfalteten uns und entdeckten neue Talente. Wir hatten auch Zeit um den Wald zu fühlen.

Im Zeltlager „Runder See“ sind wir uns nah gekommen. Es war wunderschön, in einem Wald am See zu wohnen, beim Bildungsprogramm etwas Neues zu lernen, in der Nacht vom Steg die Sterne zu beobachten und uns einfach mit der ganzen Seele zu erholen. Es herrschte eine gemütliche und magische Atmosphäre. Wir haben viele Eindrücke bekommen und erinnern uns mit Freude daran. Jeden Tag integrierte ich mich immer mehr und zum Schluss kam ich im Zeltlager richtig an, so dass ich gar nicht mehr zurückfahren wollte. Ich habe nur positive Eindrücke von dem allen, was passiert ist. Ich bin dankbar für alles. Es ist richtig viel passiert. Man kann es nicht einfach beschreiben…

Der Zeltlager ist ein eigener Lebensabschnitt, der für immer in meinem Herzen bleibt.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Ferienfreizeit für Kinder 2019

von Marlene (ASF-Freiwillige 2018/19)

10 Tage lang von Allem ganz viel. So würde ich die Freizeit für Kinder mit Behinderung beschreiben, die vom 25. Mai  bis 3. Juni in einem Vorort von Minsk stattgefunden hat. Viel Spaß, viel gelacht, viel getanzt, viel gebastelt, viel gelernt (zum Beispiel oft den Imperativ im Russischen geübt) – kurz: viel gegeben und noch mehr zurückbekommen. Das Einzige, was ein bisschen zu kurz kam war der Schlaf, aber das ist ja eigentlich immer so. Wir, die fünf ASF-Freiwilligen in Belarus, sind zusammen mit einheimischen Freiwilligen und einer Psychologin aus dem Kinderheim von Novinki auf ein Ferienlager nach Zdanovicy in der Nähe von Minsk gefahren. Ermöglicht wird die jährliche Fahrt von Kanikuli e. V. Das Ferien-Lager setzt in „eins zu eins Betreuung“ mehr Personal ein, um den Kindern mehr Aufmerksamkeit geben und individueller auf sie eingehen zu können  als dies im Alltag der Fall ist. Dieses Jahr waren wir mit 12 Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren mit unterschiedlichen Behinderungen unterwegs.

In der Anlage, in der wir untergebracht waren, gibt es einen See, Sportplätze und ein schönes Außengelände. Dank des Wetters konnten wir auch viel draußen machen. Neben Anwendungen wie Massagen oder einem Raum mit Salz für die Atemwege haben wir viel gebastelt, Ball gespielt oder in der Disko abends ordentlich getanzt. Ich musste aber immer wieder feststellen, wie kurz die Zeit doch ist, um wirklich etwas zu machen. Essen, (Mittags)Schlaf, anziehen, waschen usw. ist nämlich immer eine ganz schöne Prozedur.

Gestartet sind wir dabei mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen. Während einige von den Freiwilligen schon länger in Novinki arbeiten und die Jugendlichen auch schon kannten, habe ich das erste Mal mehr mit Kindern mit Behinderung zu tun gehabt und fand das total bereichernd. Klar, manchmal kommt man auch an seine Grenzen, wenn man jeden Tag aufs neue diskutieren muss, ob die Kleider, die die Kinder gerne anziehen würden, dem Wetter entsprechen und ob man nach der Toilette Hände wäscht oder doch lieber direkt zum Essen entwischt. Gleichzeitig entstehen immer so viele lustige Momente und es wird absolut nie langweilig. 

Hier beschreibt Emily zum Beispiel einen ihrer persönlichen Lieblingsmomente:

Natürlich war wie immer auch die Disko besonders beliebt, und dort haben wir einige sehr eindrucksvolle Abende miteinander verbracht.Einer der lustigsten Momente für mich war allerdings woanders. Es war einer der letzten Abende in der zweiten Hälfte des Lagers. Eigentlich war es schon Zeit zum ins Bettgehen, aber wir saßen noch draußen auf der Terrasse, weil der Abend so warm war. Eine der anderen Freiwilligen hat nochmal Musik angemacht und eins der Mädchen, Lisa, ist sofort drauf angesprungen. Sie hat lautstark mitgesungen, getanzt und gelacht. Besonders „This Love“ von Maroon 5 hatte es ihr angetan. Die andere Freiwillige hat mich aufgefordert im Refrain einzustimmen, aber ich kannte den Text leider gar nicht. Also habe ich hauptsächlich die Melodie mitgesungen. Aber das hat auch gar nicht so viel gemacht, weil Lisa dafür umso lauter mitgesungen hat. Sie hatte unglaublich viel Spaß und hat uns immer weiter motiviert, mitzumachen, sodass wir bis spät in den Abend noch da saßen, gesungen, getanzt und gelacht haben. Es war ein sehr schöner Abend gegen Ende des Lagers und ein toller Abschluss eines langen, sonnigen Tages.“

Es gab allerdings natürlich auch wahnsinnig viele Herausforderungen, eine davon beschreibt Felix wie folgt:

„Eine sehr eindrückliche und herausfordernde Situation war das Verhalten eines Jungens, Artur, der jedes Mal, wenn er auf die Toilette gehen musste, das Bedürfnis verspürte, sich und das Bad mit deren Inhalt voll zu schmieren. Man hat sehr klar gemerkt, dass er wusste, dass ihm das nicht erlaubt war und er hat scheinbar auch keinen Gefallen daran gefunden, danach geduscht werden zu müssen. Trotzdem haben wir es die gesamte Freizeit über nicht geschafft, ihn davon abzuhalten. Die Erfahrung hat mich sicherlich für die unangenehmeren und anstrengenderen Aspekte der Arbeit im Kinderheim sensibilisiert. Es war sehr schwierig für mich, die Geduld zu bewahren und mir darüber bewusst zu bleiben, dass ich ihm nicht auf die selbe Art Absicht unterstellen sollte, wie ich es bei anderen Kindern tun würde, ohne dabei einem falschen Fatalismus zu verfallen und zu glauben, dass an dem Verhalten letztlich nichts zu ändern sei.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir persönlich noch, wie einer unserer Jungs ganz entrüstet und mit erhobenem Zeigefinder mit der Musikbox in der Disko schimpft, nachdem diese plötzlich viel lauter geworden ist. Oder mit welcher Begeisterung man zu einem Lied immer nur im Kreis laufen kann. Was auch beeindruckend war, wie schnell sich die Teilnehmer teilweise entwickelt und nach ein paar Tagen plötzlich ganz anders verhalten haben. Nicht zuletzt hat die Arbeit auch durch die belarussischen Freiwilligen sehr viel Spaß gemacht und man konnte viel voneinander lernen. Ich freue mich deshalb auf weitere bunte, laute, lustige und manchmal auch nachdenkliche Begegnungen mit Menschen mit und ohne Behinderung in Belarus oder anderswo.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Der Runde See 2018 – ein ausführlicher Erfahrungsbericht

Bericht: Anna Yashina, Pasha Andreyuk, Lena Makarovich und Nikolaj Rosolyuk
Fragen: Anna Yashina
Übersetzung: Jonas Wildermuth

Die Ferienfreizeit „Runder See“ ist das einzige Zeltlager, in dem Jugendliche aus Belarus (nicht nur) aktive Erholung mit intensiver „Bildung in der Natur“ kombinieren. Und da Menschen mit verschiedenen körperlichen Behinderungen an all seinen Events teilnehmen können, wird dieser Ort wirklich einzigartig.

Bekanntlich ist die beste Methode, um sich zu vergewissern, dass ein Projekt Leuten wirklich von Nutzen ist, es über einen längeren Zeitraum zu testen. Das Integrationssommercamp-Seminar „Runder See“ feierte 2018 seinen 20. Geburtstag und erreicht damit fast das Durchschnittsalter der Teilnehmenden. In dieser Zeit entwickelte sich daraus eine „offene Plattform“, in der junge Menschen, über sie betreffende, interessante Themen diskutieren und lernen auf Dinge aufmerksam zu machen, die oft in der Eile unbeachtet bleiben. Auch um einen Ausweg aus ungewöhnlichen Situationen zu finden. Sie schlüpfen in verschiedene, manchmal auch für sie ungewöhnliche Rollen – Generell entwickeln sie Eigenschaften und Fähigkeiten, die ihnen in ihrem Alltag sicher nützlich sind.

Aber das ist nicht einmal die Hauptsache. Wenn Sie die „routinierten“ Teilnehmenden bitten, das Lager zu beschreiben, werden sie definitiv zwei Hauptaussagen nennen: Das wäre zum einen die einzigartige Atmosphäre und zum anderen die Herzlichkeit (in der jeder sehr schnell zu sich selbst wird) zu den Menschen, die hierherkommen.Diese Unterschiede sind zwar manchmal seltsam, aber da sie den Geist des Umgangs untereinander einfangen, auch sehr interessant.

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Und alles beginnt mit der Ankunft der Freiwilligen. Hier ist er – der erste Teil eines großen Events, sein „harterStart“. Durch den Kraftaufwand von 12-14 Freiwilligen, entsteht auf der bisher leeren Waldlichtung eine richtige Zivilisation. Ihre Aufgabe besteht darin, ein bewohnbares Camp für rund 50 Personen zu errichten. Dazu gehören Orte zum Kochen, zum Lagern von Ressourcen, die Errichtung eines Bads, eines Speisesaals und natürlich, einer Toilette (inkl. Rampen und Haltegriffe für diejenigen, die Gehhilfen oder Rollstühle benutzen). Dafür haben wir vier Tage, was zwar auf den ersten Blick als ausreichend erscheint, in der Praxis hingegen sieht das ganz anders aus.

Freiwilligenarbeit bedeutet einerseits harte Arbeit, Konflikte, Streitigkeiten und manchmal auch beleidigende Worte. Es braucht eben Zeit, sich aneinander zu gewöhnen, um zu verstehen, wer welche Funktionen übernehmen kann und möchte. Andererseits ist es eine gute Gelegenheit, sich von den eigenen Problemen abzulenken und neues zu lernen, was in den Gegebenheiten der Stadt selten möglich ist.

Was man beim „Runden See“ lernen kann: (Eine von einem Freiwilligen vorgeschlagene unvollständige Liste):

1) Das Hirn einschalten
2) buddeln
3) einen Hammer benutzen
4) Holz hacken (Holz ist unterschiedlich und wird unterschiedlich zerkleinert, und wie!)
5) das Ignorieren von Mückenstichen, Schnaken und Ameisen
6) wie man ein Zelt aufstellt
7) in einem Schlafsack schlafen (damit es nachts nicht kalt wird)
8) unabhängiger werden (da die anderen um dich herum im Normalfall beschäftigt sind und sie keine Zeit haben, deine Probleme zu lösen. Es wird zwar geholfen, setze aber nicht darauf, dass du alles anderen aufhalsen kannst)
9) ein Feuer machen (Profis machen es ohne Streichhölzer und Brenner)
10) wie man Essen für 50 Personen über dem Feuer kocht (zudem ist es sehr lecker und gesund)
11) wie man sich mit Birkenzweigen in der Banja „auspeitscht“(ja, wir haben ein Sauna)
12) Schlagzeug spielen (ein Schlagzeug gibt es auch)
13) einen Rollstuhl reparieren
14) Luftmatratzen aufblasen und reparieren
15) den Handy-Akku auf 17 Tage verteilen
16) einen 40-Liter-Topf durch putzen und waschen vom Ruß befreien
17) wie man Nägel schraubt (weil die Schrauben alle sind) und wie man Schrauben hämmert (weil der Schraubendreher abgestumpft ist)
18) Rampen und Geländer entwerfen und bauen
19) mit verschiedenen Leuten kommunizieren
20) konstruktive Kritik akzeptieren
21) äußern von Meinungen
22) Prioritäten setzen
23) sich in kaltem Wasser waschen

Und auch die Freiwilligen nehmen am Runden See teil und haben ebenfalls die Möglichkeit, alle im Lager verfügbaren Rollen auszuprobieren: Sie können an den Bildungsangeboten teilnehmen (dabei werden die Freiwilligen normalerweise in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt, die sich im Laufe des Tages abwechseln: Einige haben Küchendienst, andere beteiligen sich an den Trainings) und schaffen die Voraussetzungen, damit diese stattfinden können. Auch als Freiwilliger muss man Arbeiten und zwar mit den Händen und dem Kopf.

Genau in diesem Teil des Lagers, während die Gruppe noch relativ klein ist, ist es leichter Zeit zu finden, welche man mit sich allein verbringen kann. Um Beispielsweise die Aussicht auf wunderschöne Sonnenauf- und -untergänge, den Sternenhimmel vor dem Hintergrund des Mondes, sowie dessen Abbild in der spiegelglatten Oberfläche des Sees, zu genießen.

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Mit der Ankunft der Hauptteilnehmenden ändert sich grundsätzlich alles. Jetzt ist alles voller Menschen, es wird viel geredet, und der wichtigste Teil des Lagerlebens und dessen Bewohnenden beginnt, das Bildungsprogramm. Kurz gesagt, die Aufgabe der Führungskräfte besteht darin, die Teilnehmenden in bestimmte Situationen zu bringen und ihnen die Gelegenheit zu geben, über diese nachzudenken und zu diskutieren, damit sie daraus ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen können. All dies hilft eine andere Sichtweise auf sich und sein eigenes Leben zu gewinnen. Plötzlich hört man auf, Menschen mit Behinderungen wie Kristallvasen zu behandeln, die nur gehätschelt und getätscheltund vom Staub befreit werden müssen, und erkennt, dass es gewöhnliche Menschen sind: Diejenigen, mit denen man über das Leben sprechen und über alte Witze lachen kann.

Natürlich fällt das Programm jedes Jahr sehr unterschiedlich aus, da nämlich alles (na gut oder fast alles) von den Leuten abhängt, die daran teilnehmen. Umso aktiver die Menschen sind, desto lustiger und interessanter werden alle Aktionen.

Die Minsker Elena Makatovich (Lena) und Nikolai Rosolyuk (Kolja) waren einverstanden, mit mir über das zu sprechen, was beim Runden See 2018 passierte. Die beiden fuhren, auf Einladung ihrer Freundin Kati zum ersten Mal mit ins Lager. Diese möchte sich zusammen mit anderen Helfenden, in der Rolle eines „Trainers“ versuchen. Die Trainer*innen beschäftigen sich mit der Entwicklung und Durchführung des Bildungsprogramms im Lagerseminar.

Ich: Ich frage gleich einmal, wie sich junge Leute eine solche Freizeit, vor deren Beginn, vorgestellt haben?

Lena: Ich hatte extrem vage Vorstellungen vom Lager. Diese repräsentierte nicht die gesamte Situation, das Gleichgewicht des Lebens, den Grad der Beschäftigung und andere Dinge. Ich wusste, dass es viele Aktivitäten und methodische Aufgaben geben wird, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass es manchmal gar eine „Gehirnexplosion“ (Lächeln) gibt. Ich habe gesehen, dass Katja und andere Trainer*innen das Programm sorgfältig vorbereitet haben, und ihre Bemühungen haben wirklich hervorragende Ergebnisse hervorgebracht!

Kolja: Ich war sofort interessiert, als ich von dem Lager hörte. Ich habe einen Freund aus Kindertagen mit einer Zerebralparese, aber darüber hinaus habe ich keine näheren Erfahrungen mit Menschen mit Behinderung gemacht. Ich habe nicht einmal versucht, mir Pläne für diese 10 Tage zu erstellen, aber heute bin ich froh, dass ich hierhergekommen bin!

Ich: Und dennoch, welche Schwierigkeiten hattet ihr?

Lena: Seltsamerweise war die Notwendigkeit viele Menschen kennenzulernen und mit dieser großen Gruppe an Leuten zu kommunizieren, das Schwierigste für mich. Aber auch die Teilnahme am Spiel, in dem wir in Elite und Nichtelite aufgeteilt wurden, fiel mir schwer.

(Anmerkung des Verfassers: Eine Gruppe von Eliten bildete sich ungefähr in der Mitte des Lagers. Unter ihnen waren die Teilnehmenden, die bis zu diesem Zeitpunkt das meiste Geld verdienen konnten. Die Elite musste Steuern einnehmen, die Umsetzung der Gesetze überwachen, im allgemeinen die Funktionen ausführen, die normalerweise der Staat übernimmt. Dass dieser Moment Lena nicht kalt ließ, wurde Beispielsweise sichtbar, als sie bemüht war, von der herrschenden Minderheit herauszufinden, ob ihnen dieser Tag gefällt und wie sie generell dazu stehen, was hier gerade passiert. Manchmal scheint es mir so, dass nur der Runde See, bei einem „Spiel“, solche aufrichtigen Emotionen bei Erwachsenen verursachen kann.)

Zum Ersten: Ich bin nicht gerade eine sehr gesellige Person und manchmal fällt es mir schwer, Kontakte zu knüpfen. Dabei reicht eine große Anzahl von Fremden, sowie der Fakt dass viele von ihnen eine Behinderung haben, nicht aus, um das Problem zu lösen. Jedoch wusste ich sehr genau, wohin ich mich begebe und war für die Tatsache bereit, dass ich dazu viele neue Leute kennenlernen werde und mit ihnen zusammenleben muss. 
Aber auf die Methode „mit der Elite und dem Rest“ war ich nicht vorbereitet. Ich bin immer noch erstaunt, wie sehr mich diese Unterteilung getroffen hat.

Ich: Worauf genau beziehen sich deine Erfahrungen?

Lena: Zum Beispiel hat mich der kostenpflichtige Pier schockiert! (Lächelt) (Anmerkung des Verfassers: Eine hölzerne Plattform auf dem Wasser, auf der sich die „Residenz“ der privilegierten Gruppe befand) Außerdem habe ich bemerkt, wie sich das Verhalten einiger Mitglieder innerhalb der Elite verändert hat. Auf der anderen Seite wollte ich selbst nicht in diese Gruppe. Ich möchte nicht die Macht an mich reißen, auch nicht im realen Leben. Wahrscheinlich möchte ich einfach keine Verantwortung für andere übernehmen.

Unterdessen gibt Kolja bescheiden zu, dass für ihn die ersten zwei Tage am schwierigsten zu sein schienen, bis sich alle langsam kennenlernten, endlich Mut fassten und miteinander zu reden begannen.

Kolja: Ich erinnere mich noch an den Moment, als ich bei der offenen Wahl zum Lagerleiter gewählt wurde. Ich verspürte eine ganze Reihe verschiedener Emotionen, zum Großteil negative. Ich habe das nicht angestrebt und wollte diese Verantwortung einfach nicht übernehmen.

Ich: Und wenn ich euch bitte, eure persönlichen drei Highlights des Lagerlebens ins Gedächtnis zu rufen, welche Beispiele würdet ihr nennen?

Kolja: Es gab viele Highlights und unvergessliche Momente! Das und die Emotionen der Menschen, alle möglichen Vorfälle,aber lieber möchte ich von den Übungen erzählen, die mir besonders aufgefallen sind.

Die Erste habe ich bereits erwähnt. Dies war, als die Gruppe mit geschlossenen Augen und einem gemeinsamen Marker, den jeder der Teilnehmenden an einer Schnur angebunden hatte, gemeinsam das Wort „Leiter“ schreiben musste. Bei dieser Aufgabe hat mich das Resultat sehr erfreut, auch wenn ich nicht bereit war, dafür die Führungsrolle zu übernehmen.

(Anmerkung des Verfassers: Während dieser Übung sollte jede der drei Gruppen das Wort „Leiter“ mit der von Nikolai beschriebenen Methode „zeichnen“. Alle Mitglieder der Gruppe sahen also nichts, außer ihrer Leitperson, die die Aufgabe ihrer “Augen” übernehmen und dem Rest beschreiben sollte, was sie zu tun hatten. Dafür wurde Kolja in einer offenen Abstimmung zur Leitung einer Gruppe gewählt. Die zweite Gruppe überließ, mit Hilfe von Losen, dem Zufall die Wahl ihrer Führungshilfe. Währenddessen blieb die dritte Mannschaft ohne Hilfe und musste in völliger Dunkelheit agieren. Das Resultat beeindruckte und freute Kolja, dass genau die letzte Gruppe, ohne Hilfe von außen, gewinnen konnte. Dies bestärkte seine Meinung, dass eine Führungsperson in solchen Fällen die Menschen nur daran hindert, sich aufeinander einzustellen.)

Mein Gesprächspartner ist sich übrigens immer noch sicher, dass ein solches Szenario vorhergesehen wurde. Obwohl die Coaching-Gruppe nichts geplant hat, wären sie mit jedem anderen Ergebnis gleichermaßen zufrieden gewesen.

Die zweite Übung hieß „Mit Haferbrei und Gefangenen“. (Anmerkung des Verfassers: Hier musste das Getreide aussortiertund die an den Baum gebundenen Mitglieder des Teams befreit werden). So wie alle versuchten, die Decke zu sich zu ziehen, konnten oder wollten sie sich nicht einigen. Schließlich konnte jeder buchstäblich innerhalb einer Stunde freigelassen werden, indem er sorgfältig überlegte und die richtigen Entscheidungen traf. 

Die dritte Übung hieß „Kernen und Schalen“. (Anmerkung des Autors: Die Aufgabe der Teilnehmenden bestand darin, eine Katastrophe zuvermeiden) Alle haben es als Spiel wahrgenommen und fokussierten sich auf die Geheimschrift. Es war jedoch notwendig aufeinander zu zählen und sich auf die Nebensächlichkeiten zu fokussieren. Aber nein, sie haben mit der Geheimschrift gespielt…und mehre Millionen Menschen verloren!

Lena: Ich erinnere mich noch an die Abendprogramme, die von den Teilnehmenden vorbereitet wurden. Sie verbanden und helfen dabei, Talente ans Tageslicht zu bringen, in dem man sich in etwas Neuem probiert. Oder an die Aufgaben in großen Gruppen, zum Beispiel die, bei der ein Fass mit Erde befüllt werden sollte, hierbei musste jeder aus dem Team bei der Befüllung helfen. Diese Aufgabe hat dazu beigetragen, unseren Teamgeist zu stärken!

Ich: Was fiel euch, bei der Interaktion mit Menschen mit Behinderung, am schwierigsten?

Kolja: Wie schon gesagt, die ersten drei Tage erwiesen sich als die schwierigsten. Dann wurde mir klar, dass alles, was sich in meinem Kopf festgesetzt hatte, dumme Vorurteile waren. Trotzdem ist es sehr unfair, dass es so interessante, intelligente und aktive Menschen gibt, die durch den Willen des Schicksals in ihren Körpern gefangen sind und dieser ihnen verdammt nochmal nicht gehorcht.

Dazu muss gesagt werden, dass Lena keine besonderen Probleme in der Interaktion zwischen „gesunden“ und Menschen mit Behinderung sah.

Ich: Und wer profitiert mehr von solchen Events, Menschen mit oder ohne körperliche Behinderung?

Lena: Events wie der Runde See sind sowohl für Menschen mit Behinderungen als auch für „gesunde“ Menschen von Nutzen. Es gelingt eben nicht immer ein aktives Leben zu führen und mit neuen Menschen zusammenzukommen. Der Runde See ist ein Ort, an dem all dies möglich ist. Interessante methodische Aufgaben und Spiele, Natur und frische Luft, ein Szenenwechsel und vor allem Kommunikation und Diskussion über akute Probleme – das was uns allen im Alltag manchmal fehlt. Es ist hilfreich und interessant in einem. Ich hoffe, dass ich wieder hierherkommen werde.

Kolja: Für gesunde Menschen ist es eine erstaunliche Chance, Vorurteile abzubauen und Erfahrungen im Umgang mit Menschen mit körperlichen Einschränkungen zu sammeln. Gleichzeitig ist es für Menschen mit Behinderungen eine Gelegenheit, interessant, aktiv und abwechslungsreich Zeit zu verbringen. Also wahrscheinlich (lächelt).

Zum Schluss bitte ich Kolja, denjenigen, die zum ersten Mal hierherkommen, ein paar praktische Ratschläge zu geben.

– Verschwendet keine Zeit! Lernt lieber alle kennen und beteiligt euch so aktiv wie möglich an allen Aktionen! – Nicolai beendet unser Gespräch begeistert.

3

Kolja und Lena haben alles was passiert ist, ausführlich beschrieben – das Programm hat sie wirklich beeindruckt. Obwohl es meistens von Personen ausgearbeitet und realisiert wird, die sich nicht professionell mit der Thematik befassen. Darin liegt ein weiteres Merkmal des Camps und es beweist, dass sich jeder in der Leitung oder als Trainer*in versuchen kann.

Es reicht aus, sich mit den Menschen vom belarussischen Jungendverband „Verschiedene-Gleiche“ in Verbindung zu setzen, sie werden von ihren Projekten berichten. Nun und weiter… lernen, lernen und nochmal lernen! Sie erklären euch innerhalb von sechs Monaten (+/- ein paar Monate), wie man sich Ziele und Aufgaben setzt, eine Logik aufbaut, Übungen auswählt und anpasst. Außerdem gibt es danach die Möglichkeit, diese auch anzuwenden. Natürlich wird es nicht einfach! Aber definitiv interessant und sehr nützlich für die Selbstentwicklung, es lohnt sich also!

Aber die zehn Tage, deren Vorbereitung so viel Zeit und Mühe kosten, verfliegen normalerweise im Wind. Und nachdem die Teilnehmenden abgereist sind, beginnt der dritte, trostloseste Teil des „Runden Sees“. In dem die Freiwilligen das leere, vor kurzem noch mit eigenen Händen erschaffene Lager, nach zwei intensiven Wochen, voller Nostalgie abbauen und hoffen, dass sie nächstes Jahr wieder hierher zurückkehren können…

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Sonnenkur 2018

Übersetzung: Charlotte Sautier

Vom 19.-25. Juni nahm ich an der Freizeit für Kinder mit Besonderheiten in der Entwicklung teil. Die Gruppe bestand aus jeweils acht Kindern und Freiwilligen. Die Kinder hatten vielfältige Behinderungen, nur drei von ihnen, Zahar, Andreij und Dimka konnten laufen.

Mittwoch, 20. Juni

Der Tag war sonnig und sehr heiß. Nach dem Frühstück brachen wir auf zum Strand. Dort legten wir die Kinder auf eine Decke und bauten einen großen Sonnenschirm auf. Anechka begann zu kichern und Vovka umarmte Olenka, Virginia schlief ein. Der Freiwillige Dima stützte Zahar und führte ihn über den Sand. Zahar war sehr zurückhaltend in seinen Emotionen und so wussten wir nicht genau ob ihm das Laufen gefiel. Der Junge gab nur einzelne Laute von sich und lächelte zu Beginn der Freizeit fast nie.

Am Strand lernten wir Freiwilligen uns besser kennen – für alle Beteiligten war es die erste Erfahrung in der Freiwilligenarbeit.Bei Spaziergängen über das Gelände des Erholungsheims sahen wir öfter verwunderte Blicke anderer Kinder, die ihre Neugier nicht verbergen konnten. Einmal wurden wir Zeugen eines Gesprächs, in welchem eine Achtjährige ihrem Altersgenossen erklärte: „Guck mal, das Kind ist nicht normal“, woraufhin der Junge erwiderte: „Und du selber bist normal?“. Dass sich die Meinungen unterscheiden ist schon mal ermutigend. Bei der Kantine hatte man eine Rampe errichtet, aber aus irgendeinem Grund achtete niemand darauf, dass es auch Kinder im Rollstuhl auf dem Gelände gab. Es war allen egal, sodass wir immer warten mussten, bis alle anderen Kinder vorbei gezogen waren, denen es auch gemütlicher schien die Rampen zu benutzen.

Samstag, 23.06.

Das Wetter wurde schlecht. Die Kinder hatten wenige warme Sachen dabei und draußen regnete es. Wir beschlossen, T-Shirts zu bemalen. Der Freiwillige Vasja war Künstler. Er versuchte mit Andrej ein Shirt zu bemalen, während der versuchte die Farben zu essen. Danach ergoss sich das farbige Malwasser über den Tisch. Dennoch vollendeten sie das Projekt.

Den Kindern war anzusehen, dass sie Farbe und dicke Wangen bekommen hatten. Dimka wollte gar nicht mehr im Rollstuhl sitzen, sondern lief an der Hand ‚seines‘ Freiwilligen herum.

Zhenja stellte für Vovka Musik an und der lächelte. Endlich hatten wir gefunden, was ihn glücklich machte. Am besten gefiel ihm die Sängerin Dido.

Die anderen Kinder im Erholungsheim begannen uns die Türen aufzuhalten und den Weg zu räumen. Sie erschraken nicht mehr so sehr vor uns und boten Hilfe an.

Sonntag, 24.06.

Es wurde wieder wärmer draußen und wir begaben uns in die Waldlaube. Alle hatten sich inzwischen so angefreundet, dass die Atmosphäre sehr herzlich war. Ich hörte ein leises wunderschönes Lachen – Nastja, die auf ihren Wangen herumkaute und glücklich aussah. Zahar lief schon fast alleine, Dima stützte ihn kaum noch. Als Dima beim Abendessen einen anzüglichen Witz machte lachte Zahar mit uns mit. Wir gratulierten Dima, dass es ihm gelungen war den traurigen Jungen zum Lachen zu bringen.

Wir Freiwilligen hatten ein Gespräch darüber wie es weitergeht und wie wer eigentlich wem mehr Freude bereitet, wir den Kindern oder die Kinder uns. Die Frage bleibt unbeantwortet.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Eindrücke vom Runden See 2018

von Flora Fuchs

Pünktlich zum Ende eines langen Sommers, in dem in Belarus wieder viele Freizeiten und Projekte durchgeführt wurden, berichtet Flora vom Runden See. Als neues Mitglied bei Kanikuli hat Flora sich im Frühjahr entschieden, zur inklusiven Sommerfreizeit von Raznye-Ravnye zu reisen und gibt hier einen kleinen Einblick:

„Dieses Jahr stand das alljährliche Treffen „Krugloje Ozero“ (Runder See) unter einem ganz besonderen Motto. Das inklusive Sommerlager, veranstaltet und organisiert durch die belarusische Organisation Raznye-Ravnye, feierte sein 20-jähriges Bestehen!

Fünf Tage vor dem Beginn des Zeltlagers trafen sich in Minsk dreizehn motivierte junge Erwachsene und die beiden Organisator*innen von Raznye-Ravnye, Vadim und Polina, um drei Busse mit allerlei Materialen, Werkzeugen und Lebensmitteln für den Runden See zu beladen. Vollgepackt bis unters Dach ging es dann in das knapp 65km entfernte Akalova.

Jeder Tag der Aufbauwoche begann früh um 8 Uhr und endete um 21 Uhr. In abwechselnden Kleingruppen wurde eine Toilette errichtet, die auch barrierefrei zugänglich war, eine Banja (Sauna) gebaut und sehr viel Krach gemacht. In der Banja konnten wir nach 4 harten Tagen des Aufbaus zum ersten Mal gemeinsam entspannen. Ging man nach dem Schwitzen schwimmen, konnte man mit viel Glück Sternschnuppen vom Himmel fallen sehen.

Als die Busse mit den Teilnehmer*innen im Lager eintrafen, herrschte große Wiedersehensfreude und Aufbaustress. So wie die Zelte, konnten auch Isomatten und Schlafsäcke geliehen werden, welche wiederum dank großzügiger Spenden neu angeschafft werden konnten. Im Anschluss fand das erste gemeinsame Mittagessen statt und Vadim, der Organisator des Lagers, klärte alle über das anstehende Programm und die notwendigen Verhaltensregeln auf.

Das diesjährige Lager widmete sich der thematischen Aufarbeitung und kritischen Reflexion von Diskriminierung. Was ist Diskriminierung? Wo fängt Diskriminierung an? Was unterscheidet Diskriminierung von Ausgrenzung? Wo sehe ich mich im Alltag von Diskriminierung bedroht? Und was kann ich gegen Diskriminierung machen? Um all diese Fragen Stück für Stück zu beleuchten und uns gegenseitig im Kampf gegen Diskriminierung zu stärken, haben wir jeden Tag der zehntägigen Freizeit Gruppenspiele gespielt, die unser gegenseitiges Vertrauen stärken und unsere Kommunikation fördern. So wurden in einzelnen Spielen deutlich, dass wir vereint als Team von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in Kooperation miteinander ans Ziel kommen.

Es gab sehr unterschiedliche Gründe für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer, aber auch Freiwillige*n an diesem Lager teilzunehmen und so kam es vor, dass manche früher abreisten oder einige Emotionen soweit hochkochten, dass geweint wurde. Aber alle fanden in dieser gemeinsamen Zeit Freunde die füreinander einstanden, die einander halfen und mit denen man am allabendlichen Lagerfeuer Lieder sang.

Das inklusive Sommerlager „Runder See“ ist ein gelungenes Beispiel für Inklusion und Empowerment. Alle Beteiligten, egal ob Freiwillige oder teilnehmende Personen, haben in dieser doch recht kurzen Zeit viel über sich selbst und ihre Gegenüber gelernt. Mit viel Reflexion und kritischer Auseinandersetzung ist wieder einmal ein ganz besonderes Lager zu Ende gegangen, auf das sich viele im nächsten Jahr freuen.“

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.

Sommerfreizeit für Kinder 2018

von: Clara Schilke

Mitte Mai organisierte Kanikuli zusammen mit den belarussischen und deutschen Freiwilligen, das zur Tradition gewordene Sommerlager für die Kinder aus dem Kinderheim in Novinki.

Dieses Jahr fuhren wir, die Freiwilligen, mit den Kindern wieder nach Schdanovitschi, einem Sanatorium am Rande von Minsk. Wir verbrachten dort zusammen mit den Kindern eine unglaublich intensive und erlebnisreiche Zeit.

Jeder Tag begann mit Morgengymnastik auf dem Hof, welche vom Sanatorium organsiert wurde. Danach gingen wir alle zusammen in den Speiseraum um zu frühstücken. Dann stand das Vormittagsprogramm an, welches abhängig vom Wetter zwischen Torte-Backen, Malen, Salzteig-Zubereiten oder Am-See-Spielen und Massiert-Werden variierte. Wir Freiwilligen hatten auch einige Instrumente wie Rasseln, Geige und Gitarre dabei, wodurch immer eine musikalische Untermalung des Ganzen stattfand.

Nach dem Mittagessen gab es aller zwei Tage Massagen oder Wärmelichtbehandlungen durch das Sanatorium und danach war Mittagsruhe angesagt. Am Nachmittag gingen wir meistens wieder zum naheliegenden See oder bereiten zusammen Stockbrot für das Lagerfeuer am Abend zu. Oft lagen wir auch zusammen mit den Kindern auf der Wiese in der Sonne und massierten sie oder spielten verschiedene Ballspiele, oder gingen ausgedehnt spazieren. Da sich jeder von uns um ein Kind kümmerte, merkten wir mit der Zeit immer mehr, welches Kind in welcher Situation besonders aufzugehen schien.

So liebte Sergei es unglaublich, massiert oder in der Hängematte geschaukelt zu werden, während Joshua seine Leidenschaft zur Gitarre entdeckte und Timothey die Tanzfläche der Disko gar nicht mehr verlassen wollte.

Nach diesen zehn Tagen hatte jeder von uns Freiwilligen eine unglaublich enge Beziehung zu jedem Kind, aber besonders zu dem Kind um welches man sich die zehn Tage besonders gekümmert hat.

Durch das Lager hat sich auch für uns Freiwillige die Arbeit im Kinderheim in Novinki sichtlich verbesserte. Dadurch, dass wir jetzt viele Kinder viel besser kennen, wissen wir viel besser, was wir mit ihnen im Heim unternehmen können und auch die Angestellten sind nach dem Lager viel freundlicher und aufgeschlossener.

Aber das wohl größte Geschenk für uns Freiwillige war es, die einzigartige Entwicklung jedes einzelnen Kindes mitzuerleben. Zu realisieren, wie viel in jedem einzelnen Kind steckt, ließ uns alle Anstrengung und schlaflosen Nächte immer wieder vergessen. So fingen Pascha und Vika plötzlich immer wieder an zu lachen, etwas was wir vorher noch nie bei ihnen erlebt hatten. Sergei ließ sich irgendwann umarmen und liebte es andere Kinder im Rollstuhl zu schieben.

Das Projekt wurde ermöglicht durch unzählige kleine und große Spenden, sowie eine finanziellen Förderung durch die Robert-Vogel-Stiftung.